Burning Man 2014/2015

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      Burning Man 2014 - Staub und Liebe:

      Ich denke, folgendes darf ich Auszugsweise schon auch hier einbringen. Denn erst jetzt 1 Jahr später begreife ich, was vorstehender Beitrag bedeutete....



      Da schrieb mir dankenswerterweise ein Mitglied des gaymeboys.com per E-Mail. (Serienbrief)

      Hallo „thai_fun“.

      Wir sind zurück aus der Wüste Nevadas und husten den letzten Staub aus den Lungen. Doch hätte ich die Wahl zwischen in einem Luxushotel in Dubai und einem Zelt in Black Rock City, ich würde trotzdem die staubige Playa wählen. Burning Man ist eine andere Welt. Für Menschen die Kreativität und Freiheit mehr als Konsum und Luxus lieben, vielleicht die schönste Stadt auf dieser Erde.

      Eine bessere Welt?

      Nach der Rückkehr in die "default World" kommt einem vieles komisch vor. Komisch, um nicht zu sagen krank. In Black Rock City standen fantastische Kunstinstallationen, Dinge die man sich kaum im Traum vorstellen kann, Art Cars von Mad Max bis Ufo, und jeder einzelne Mensch in der 70'000-Einwohner-Stadt stellte mit seinen ausgefallenen, meist selbstgebastelten Kostümen oder seinem mit 100 LEDs gepimpten Velo ein Kunstwerk dar.

      Dann landest du in Zürich und alle fahren wieder graue Autos (wegen dem Wiederverkaufswert), tragen Einheitsklamotten in der aktuellen Modefarbe (wegen dem Image), leben in viereckigen 4 1/2-Zimmer Mietwohnungen (weil Investoren wegen Renditemaximierung keine anderen Formen mehr bauen) und fummeln pausenlos an ihrem iPhone5 herum, um herauszufinden wann endlich das iPhone6 rauskommt.

      In Black Rock City war ich die meiste Zeit nackt unterwegs. Und keiner in der ganzen Wüstenstadt, Schwule, Lesben, Ranger oder Familienvater hatten irgendein Problem damit. Alle denen ich begegnete, waren fröhlich, gut drauf, lächelten mich an oder wedelten genauso mit dem Schwanz wie ich. Als - zurück in der Schweiz - am Montagnachmittag so wunderschön die Sonne schien, setzte ich mich auch nochmal nackt auf mein Velo und fuhr ein Bisschen durch die Felder. Doch die älteren Damen, denen ich begegnete, machten Gesichter wie "ich hatte 10 Jahre lang keinen Sex, und der letzte Sex davor war auch schon mies".
      Wie kommt es, dass die Leute in Black Rock City so viel besser drauf sind, als die Leute in Zürich?

      Einstellungssache:

      1. In der normalen Welt jagen alle dem Geld hinterher. Karriere machen, mehr verdienen, um sich einen grösseren Fernseher, teurere Klamotten und ein neueres Smartphone leisten zu können. Unsere ganze Marketingindustrie (also auch mein Job) ist darauf ausgerichtet, euch einzureden, dass ihr dauernd neue technische Gadgets zum Leben braucht. Doch die App zum glücklich sein gibt es weder für iOS noch für Android.

      In BlackRockCity gibt es kein Geld. Jedes Camp verschenkt alles an jeden. Und irgendwann merkst du, dass es dich viel glücklicher macht, wenn du jemandem etwas schenken kannst, als wenn du es selbst besitzt.

      2. In Zürich suchen die Menschen bei jedem andern nach Fehlern und nach Attributen, die sie stören könnten. Das ganze System ist aufgebaut auf "erlaubt ist (nur noch), was nicht stört", bzw. das Störgefühl des (überempfindlichen) Einzelnen bestimmt die Grenzen von Kreativität und Lebensfreude aller, und die Grenzen werden immer enger.

      Am Burning Man Festival ist Freude an Vielfalt das oberste Gebot und für viele der Hauptgrund, die Strapazen dieser staubigen Wüste auf sich zu nehmen. Hier fragt man sich nicht, ob das, was man sieht, einen eventuell stören könnte, sondern man freut sich, dass man etwas erleben darf, das man nicht erwartet hat, und das einem das Spektrum an Lebenserfahrungen erweitert.

      3. In der modernen Welt denken alle an die Karriere, an ihr Image, an den Wiederverkaufswert. Viele kreative Ideen werden verworfen, weil die Buchhaltung eine zu geringe Rendite berechnet hat. Stattdessen produziert man Mainstream und langweilt die Welt damit zu Tode.

      In der Wüste sieht man Kunstwerke, die enorm viel Zeit und Geld gekostet haben müssen und niemals Rendite abwerfen. Die Künstler tun es für den Moment und für die Freude der Anwesenden. Und vermutlich bringt ihnen das am Ende viel mehr Befriedigung ein als ein übervolles Bankkonto.
      Wer Burning Man erlebt hat, sieht sofort, was der Schweizer Gayszene heute fehlt: Die Freiheit, die Spontanität und der Mut, vom Mainstream abzuweichen und unkonventionelle Ideen zuzulassen.

      Fuck the Zeitgeist!

      Es liegt leider im Geist der heutigen Zeit, dass die Leute lieber meckern als sich an Dingen zu erfreuen. Alle stehen unter Druck, sind verängstigt und glauben, man müsse jeder Beschwerde nachgehen und überreagieren. Die Werber haben die Gesellschaft mit Sex-Sells-Erotik überschüttet. Die Skandal-Medien haben Sexualität zum Grund allen Übels aufgebauscht, und die Menschen? Sie glauben den Scheiss. Frauen geben sich wieder zugeknöpft wie in den 50ern. Männer stehen unter Pädophilie-Generalverdacht, erhalten in Kindergärten oder Horts keine Stellen mehr. Schwule erst recht. Turnlehrer lassen Kinder lieber vom Reck fallen, als sie zu stützen. Jede Berührung gilt heute als sexuelle Belästigung. Ein Nacktfoto gilt als Super-GAU. Die Verwahrungsinitiative wurde angenommen, Jugendliebe kriminalisiert, Menschen lebenslänglich vorverurteilt. Wie weit sind wir noch von Precrime entfernt (Minority Report mit Tom Cruise spielt im Jahr 2054)?

      Ist Sicherheit das höchste Gut des Lebens? Wo bleiben Freiheit, Spontanität, Emotionalität und Liebe?

      Burning Fazit:

      Es sagten mir viele, Burning Man würde mein Leben verändern. Naja, ich hatte noch nie ein graues Auto und bin auch vorher schon barfuss durch die Stadt gelaufen und nackt durch die Clubs getanzt. Aber seit Burning Man weiss ich, dass ich nicht der einzige bin, der Mainstream und Kommerz hinterfragt. Ich bin Realist und es ist mir klar, dass ein Leben ohne Geld ausserhalb des Festivals nicht funktioniert. Aber es gibt Erkenntnisse, die man sehr wohl in die reale Welt übertragen kann:

      - Dass Vielfalt viel geiler ist als Einheitsbrei.
      - Dass man auf Dinge fokussieren soll, die einen erfreuen und nicht auf Dinge, die einen ärgern.
      - Dass nackte Menschen nichts Schlechtes sind (nicht mal nackte Frauen).
      - Dass ein freiheitliches Umfeld Kreativität und Innovation fördert.
      - Dass wenn jeder mitmacht, alle zusammen Fantastisches erschaffen können.
      - Dass jemanden glücklich zu machen, ein wunderbares Gefühl ist.
      - Dass Menschen zu umarmen, ein wunderbares Gefühl ist.
      - Und dass ich unbedingt wieder nach Black Rock City will!!!

      Meinen Erlebnisbericht über unser erstes Burning Man-Abenteuer findest du in meinem Blog. Die fantastischen Bilder dazu in der Gallery (Sternchen und Kommentare erwünscht!).

      En liebe Gruess
      Kjell



      Also bevor ich ihm antworten konnte musste ich mal mir selber durch Google auch mit Bildern wie hier eingestellt erklären, von was und wo er da schreibt....







      Wikipedia: Burning Man ist ein jährlich stattfindendes Festival im US-Bundesstaat Nevada in der Black Rock Desert. Die Salztonebene entstand aus dem eiszeitlichen Lake Lahontan und liegt ungefähr 150 km nord-nordöstlich von Reno.

      Begründer des Festivals ist Larry Harvey (* 1948 in der Nähe von Portland). Er veranstaltete das Festival erstmals 1986 – angeblich aus Liebeskummer – mit nur 20 Teilnehmern am Baker Beach, einem Strand auf dem Gelände des Presidio in San Francisco.

      Das Festival dauert acht Tage und endet traditionell am ersten Montag im September, dem US-amerikanischen Labor Day. Seine Kernveranstaltung ist das Verbrennen einer überdimensionalen menschlichen Statue – des Burning Man – am sechsten Festivaltag.

      Das Festival ist nicht nur eine große Kunstausstellung, sondern auch ein Ort intensiver Selbstdarstellung und eine große Party.

      Auf dem Fest sind in neuerer Zeit nur Fußgänger, Fahrradfahrer und Art Cars zugelassen, die bei Burning Man als Mutant Vehicles bezeichnet werden. Burning Man ist berühmt für seine besonders phantasievollen und skurrilen Art Cars. ...


      Bilder wie vorstehend gibt‘s in Google zu Tausenden, aber am besten schaut ihr hier von wo ich das ganze her habe.... Burning Man 2014 - Staub und Liebe: gaymeboys.com/blog/international/de1048

      Ich Antwortete im Blog:
      Eine von 7 Milliarden möglichen Sichten auf diese von dir @Kjell so wunderbar Beschriebenen Welt Burning Man. Ach was bin ich als nun fast 70 Jähriger neidisch auf ein solches "Treiben". Aber trotzdem hab ich gelernt mit dem was mir in der meinigen Gesellschaft zustand, wenigstens im alter noch Glücklich und zufrieden zu werden.

      Aber nie werde ich die vielen Minuten in denen ich alles das von @Kjell aufgezeichnete und so herrlich bebilderte in mir aufnehmen durfte vergessen. Danke.

      Euer thai.fun
      Populismus ist die Pubertäts Zeit der Demokratie. :S