Reisebericht Israel Oktober 2015

      Reisebericht Israel Oktober 2015


      Israel


      Reisebericht Israel, von Jerusalem nach Haifa und Tel Aviv.

      „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Landsleute,aufgrund der tödlich ausgegangenen, jüngsten Messerattacken in der Altstadt von Jerusalem, den darauf folgenden zahlreichen, heftigen Zusammenstößen und den daraufhin von israelischen Sicherheitsorganen verhängten polizeilichen Maßnahmen, sind in den nächsten Tagen gewalttätige Auseinandersetzungen in Jerusalem, an Checkpoints und in den größeren Städten der Westbank nicht auszuschließen. Bitte beschränken Sie daher in den nächsten Tagen Ihre Bewegungen insbesondere in und um die Jerusalemer Altstadt auf nicht verschiebbare Erledigungen. Menschenansammlungen bitte wie üblich meiden. Wir empfehlen aktuell dringend, öffentliche Verkehrsmittel in Jerusalem nur soweit wie unerläßlich zu benutzen, insbesondere an Haltestellen um die Jerusalemer Altstadt äußerste Vorsicht walten lassen. Von der Benutzung der Straßenbahn zwischen den Tramabschnitten Shuafat und French Hill (Ammunition Hill)sowie zwischen Kiryat Moshe und Mount Herzl wird zur Zeit eindringlich abgeraten. Mit freundlichen Grüßen Ihre Botschaft Tel Aviv“


      Jerusalem


      Mit dieser Nachricht der deutschen Botschaft wurden wir unmittelbar nach unserer Ankunft in Jerusalem am 04.10.2015 „empfangen“. Wir erhielten diese Information da wir uns in die sog. Krisenvorsorgeliste beim Auswärtigen Amt eintrugen; was wir immer machen, vereisen wir ins Ausland.
      auswaertiges-amt.de/DE/Laender…-Hinweise/Elefand-LB.html

      Um es gleich zu sagen, wir sind sicher und ohne Zwischenfälle in Deutschland angekommen; und, ja, wir würden wieder dorthin reisen.Wir flogen mit „Pegasus-Airline“, einer türkischen Billiglinie. Die Maschine flog mit fast 2h Verspätung in Frankfurt ab, aber der Anschlußflug nach Tel Aviv hat in Istanbul zum Glück gewartet. Auf dem Flughafen Ben Gurion hatten wir gleich Kontakt mit der Polizei. Ich fotografierte die Taxis vor dem Flughafengebäude und unsere Ankunft, als eine Polizistin zu mir kam, Pass kontrollierte und mich „zwang“, alle Fotos zu löschen. Was ich natürlich sofort tat. Willkommen in Israel!


      Israel


      Wir nahmen dann ein jüdisches „Sherut-Taxi“, eine Art Sammeltaxi, welches erst abfährt wenn alle 12 Plätze belegt sind. Wir zahlten ca. 120 NIS. So recht wollte der Taxifahrer nicht da unser Hotel in Jerusalem im arabischen Teil lag und der Fahrer sagte: „problems with arab“.Wir fuhren dann vom Ben Gurion Airport ca. 45 min bis nach Jerusalem. Was uns sofort auffiel: die ganzen Straßen und Schnellstraßen sind aus Sicherheitsgründen beleuchtet.


      Jerusalem


      Das „Ibis Styles“ Hotel war relativ neu und für israelische Verhältnisse günstig. Es liegt am Rande des arabischen Teils. Zur Altstadt ist man gerade mal 20 min unterwegs. Allerdings fahren die jüdischen Taxis nicht in die arabischen Teile. Man wird vorher abgesetzt und läuft den Rest dann zu Fuß. Nachts fühlten wir uns ein wenig unsicher und versuchten, so wenig wie möglich das arabische Viertel zu durchqueren.


      Jerusalem



      Jerusalem


      Die Altstadt von Jerusalem wurde hermetisch von Israelis abgeriegelt. Kein Araber durfte hinein. Als wir beim ersten mal dort waren wirkte die ganze Altstadt wie „ausgestorben“ An jeder Ecke gab es hochbewaffnetes Militär. Der Vorteil, Sehenswürdigkeiten wie die Grabeskirche und die Klagemauer waren nicht so stark frequentiert. Leider war der Tempelberg mit dem Felsendom abgeriegelt. Nicht einmal die Touristen durften dorthin.Die Abende verbrachten wir immer im jüdischen Teil Jerusalems. Auch hier gab es Juden, die in Zivil mit Waffen durch die Stadt eilten. Wir haben uns hier jedenfalls sicherer gefühlt. Jede Menge Restaurants laden zum Essen ein. Einen schwulen Laden, die „Video Bar“ haben wir vergeblich gesucht. Auch der „Spartacus International Gay Gide“ konnte nicht weiter helfen.Für unseren Besuch in Bethlehem hatten wir uns einen palästinensischen Guide organisiert. Wir fuhren mit ihm durch das Westjordanland nach Bethlehem, zur Geburtskirche Jesu. Ein spannender Besuch.


      Bethlehem



      Israel


      Ein absolutes Muss: ein Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.


      Jerusalem


      Am vorletzten Tag unseres Jerusalem Aufenthaltes holten wir dann für 130 € einen Mietwagen für 6 Tage. Diesen wollten wir später in Tel Aviv wieder abgeben. Wir fuhren zunächst nach Massada, einer alten Festung und von dort direkt zum Toten Meer. Die Hochglanzprospekte beschreiben ja ein fantastisches Bild wenn man im Bad liegend eine Zeitung liest. Die Realität sah anders aus.


      Israel



      Massada



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      Zurück aus der schwulen Urlaubswelt? ...ran an die Tasten! 8)

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      Nach dem Auschecken fuhren wir dann nach Haifa, ca 150 km entfernt. Haifa ist mit rund 268.200 (2010) Einwohnern die drittgrößte Stadt Israels nach Jerusalem und Tel Aviv. Die heutige Großstadt an der Mittelmeerküste existiert seit Mitte des 18. Jahrhunderts und bereits seit der Antike existierten Siedlungen um den Standort. Im Großraum Haifa leben etwa 600.000 Menschen.


      Haifa


      Wir checkten im Hotel „1926 Designed Apart Hotel“ in der Altstadt ein. Bis zur „Deutschen Kolonie“, einem Boulevard unterhalb der Hängenden Gärten mit zahlreichen Restaurants waren es ca. 25 min zu Fuß. Es gab aber auch etliche Restaurants in der Nähe des Hafens. Wir besuchten auch die alte arabische Hafenstadt Akko. Die Altstadt liegt auf einer Landzunge am Nordrand der Bucht von Haifa und ist von einer bis zu 150 m starken Festungsanlage umgeben. Auf der Landseite ist die Altstadt von der Neustadt umschlossen. Während die Neustadt eine mehrheitlich jüdische Bevölkerung aufweist, wird die Altstadt fast ausschließlich von israelischen Arabern bewohnt und ist eine der orientalischsten Städte Israels.


      Akko


      Ein weiterer Ausflug mit dem Mietwagen brachte uns dann nach Nazareth, zur Verkündigungskirche. „Der Engel Gabriel kommt zu Maria nach Nazareth und kündigt ihr die Geburt ihres Sohnes Jesus durch die Kraft des Heiligen Geistes an. „Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden“. Diese Ankündigung wird zugleich als Moment der Empfängnis verstanden, nach dem biblischen Grundsatz: Wenn Gott spricht, geschieht, was er sagt (vgl. Schöpfungsgeschichte) – die Jungfrauengeburt gilt als eigenständiges Mysterium.“


      Nazareth


      Weiter ging es zum See Genezareth. Der See Genezareth liegt in Nordisrael im oberen Jordangraben. Der See ist mit 212 m unter dem Meeresspiegel der tiefstgelegene Süßwassersee der Erde. Nach dem Toten Meer (rund 420 m unter Meeresspiegel) ist er das zweittiefst gelegene stehende Gewässer der Erde.


      Der See Genezareth


      Auch hier gab es eine Kirche, die Brotvermehrungskirche zu sehen. Sie ist eine römisch-katholische Kirche im westlichen Teil von Tabgha am Nordwestufer des See Genezareth und soll der Ort sein, wo nach dem Matthäusevangelium die wundersame Brot- und Fischvermehrung bei der Speisung der Fünftausend stattfand.


      See Ganezereth


      Es folgten die Golanhöhen, ein spektakulärer Besuch. Diese sind im geographischen Sinne ein dünn besiedelter, hügeliger Landstrich im Nahen Osten. International anerkannt als Teil Syriens, befinden sich die Golanhöhen seit 1967 großteils unter israelischer Kontrolle. Israel verwaltet die annektierten Gebiete als Teil seines Nordbezirks; Syrien beansprucht das Gebiet komplett und zählt es zu seinem Gouvernement Quneitra, ein kleiner Landstrich steht seit 1974 unter UN-Kontrolle (UNDOF). Der Status der Golanhöhen ist ein Hindernis für die Friedensverhandlungen zwischen den beiden Staaten. Während unseres Besuchs auf einem UNO-Kontrollposten hörten wir Granateinschläge in Syrien. Wir beschlossen dann sofort wegzufahren. Es war doch ein wenig gruselig.


      Golan Höhen


      In Haifa konnten wir dann endlich auch einmal einen „Strandtag“ einlegen. Für Oktober war es bei um die 30 Grad doch noch sehr heiß.


      Haifa



      Haifa


      Die letzte Station unserer Reise brachte uns dann mit dem Mietwagen ca. 100 km südlich nach Tel Aviv. Das 1909 gegründete Tel Aviv war ursprünglich ein Vorort der bereits seit der Antike bestehenden Hafenstadt Jaffa. 1950 wurden beide Städte zum heutigen Tel Aviv-Jaffa vereinigt. Wir gaben den Mietwagen ab, nachdem wir in unserem Hotel, dem „Pink House TLV“ eincheckten. Ein winziges Hotel mit gerade einmal 4 Zimmern und einer schönen kleinen Dachterrasse. Hier ließen wir unsere Abende und Nächte ausklingen, gerne auch mal mit den anderen Hotelbewohnern, ein deutsches und ein holländisches Pärchen.


      Tel Aviv


      In Tel Aviv machten wir dann tagsüber Strandurlaub, nachts zogen wir dann ein wenig um die Häuser. Der schwule Strandabschnitt lag hinter dem „Hilton“ am nördlichsten Ende. Leider war auch hier wenig los, so daß sich der 30 minütige Fußmarsch kaum lohnte.


      Tel Aviv



      Tel Aviv



      Tel Aviv


      Die kommenden Tage verbrachten wir dann am „Jerusalem Beach“. Auch hier gab es ab und wann etwas für die Augen…


      Tel Aviv



      Tel Aviv


      Es gibt einige schwule Läden. Am ersten Abend stießen wir auf das „Apollo“ in der Allenby Street. Ein dunkler Laden mit Darkroom und vielleicht 4 Gästen und dem teuersten Bier unseres Israel Besuches. Wir kamen nicht wieder.


      Tel Aviv


      Am besten gefiel uns das auch in der Nähe befindliche „Shpagat“. Hier waren die Tische außen wie in einer Arena angelegt, so konnte man zu moderaten Preisen schön Leute beobachten. Das „Evita“ in der Nähe des Rothschild Boulevards war nachts sehr gut besucht, die Barkeeper eine Augenweide.


      Tel Aviv


      Am 18.10., nach 14 Tagen ging unsere Reise zu Ende. Wir waren dann doch irgendwie erleichtert wieder in Deutschland zu sein.Unser Fazit: Wer sich so wie wir für die Geschichte des Christen- und des Judentums interessiert MUSS unbedingt nach Israel. Mit den hübschen Kubanern ist das Land nicht zu vergleichen aber es gibt auch tolle Israelis. Die Preise im Land sind ziemlich hoch, man findet aber auch kleine preiswerte Restaurants.Und…nach nur 5 Stunden Flug ist man am Mittelmeer und hat selbst im Oktober sommerliche Temperaturen.


      Tel Aviv
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      Vielen Dank für den herrlichen Bericht gespickt mit wertvollen Informationen. Gefällt mir sehr auch die Betrachtungsweise und wie unaufgeregt du das ganze rüberbringst.
      5 Sterne dafür :thumbup:

      andrewffm schrieb:

      Ich fotografierte die Taxis vor dem Flughafengebäude und unsere Ankunft, als eine Polizistin zu mir kam, Pass kontrollierte und mich „zwang“, alle Fotos zu löschen.


      andrewffm schrieb:

      Allerdings fahren die jüdischen Taxis nicht in die arabischen Teile. Man wird vorher abgesetzt und läuft den Rest dann zu Fuß. Nachts fühlten wir uns ein wenig unsicher und versuchten, so wenig wie möglich das arabische Viertel zu durchqueren.


      Hier frage ich mich allerdings ob das noch als "Urlaub" zu bezeichnen ist. Das sind leider schon spürbare Behinderungen.

      Liebe Grüße P.
      Ich hab mich aus verschiedenen Gründen noch nie um Israel bemüht, geschweige an Urlaub dort gedacht. Zuviel haben mich die fast nur grässlichen Nachrichten von dort über 60Jahrelang eingeschüchtert.

      Jedoch so Berichte wie von @andrewffm könnten mich umstimmen, wenn da nun nicht das alter 70 wäre.

      Herzlichen Dank... @andrewffm
      Populismus ist die Pubertäts Zeit der Demokratie. :S