Angepinnt Thailand 2016/2017 - ein Reisetagebuch

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      Thailand 2016/2017 - ein Reisetagebuch

      Heute angekommen in Bangkok, wie zuletzt auch immer in Sathorn unweit der Haltestelle Surasak. Hat den Vorteil, der Skytrain ist gleich vor dem Haus und es gibt einen hinreißenden Blick auf den State Tower. Das Mode Sathorn Hotel hat leider nachgelassen, aber noch immer gibts die Woche für unter 500 Euro und sie haben noch immer diese hammergeile Rooftopbar auf dem Dach überm 37. Stock. Die Sathorn Road ist heute wie immer Thailands größter Parkplatz, zwischen der Rama IV und der Thaksin-Brücke geht nichts mehr, egal wie laut die Thais hupen. Wie schön, breit grinsend mit dem Skytrain einfach überm Verkehrskollaps herzufahren und den ganzen Idioten in ihren Autos ne lange Nase zu zeigen.

      Erstmal den Jetlag auspennen und dann auf die Silom-Gaytour gehen. Skytrain kostet 25 Baht für die Haltestellen bis Saladaeng, also schlapp 70 cent. Geht, für 3 Haltestellen S-Bahn zahle ich im Ruhrgebiet schlappe 3 Euro. Und die kommt nicht alle 3 Minuten wie in Bangkok sondern alle 30 Minuten. Traditionell beginne ich meinen Bangkok-Aufenthalt immer im Balcony. Heute ist es sehr voll, wie eigentlich immer. Som Tam Salat und ein Chang-Bier bestellt, aber der Küchenboy wollte leider den Farang schonen und hat auf die Thai-Schärfe verzichtet. Hallo???? Laffes Chilli-freies Essen krieg ich in Deutschland schon genug, Thai-Food muss einen zum Extrem-Schwitzen bringen sonst ist es kein Thai-Food. Und Som Tam muss brennen im Mund!!! Egal. Hauptsache irgendwie Thai-Food, denn für Thai-Essen würde ich sterben, so lecker ist das. Mal einen Blick auf die blauen Seiten riskieren... Na toll, kaum in Bangkok angekommen und schon 10 Messages nach 10 Sekunden online. Thai Boys und ihre Smartphone-Sucht.... Da fühlt man sich doch glatt so begehrt wie mit 19 in Deutschland. Einer, ein süßer Typ Anfang 20 schreibt, er mag Ältere, am besten "mature guys", also zwischen 40 und 60. Schreiben aber irgendwie immer alle. Seh ich echt schon so alt aus? Arbeitskollegen haben mich letztens noch für 29 gehalten.... Im Lauf des Abends wollen nicht weniger als 20 Typen auf Romeo und Grindr ein Sexdate ausmachen. Professionelle, was man schnell merkt, da man merklich nicht der einzige ist, den sie anlabern und an der Angel haben, zu sehen an den zig Minuten, die sie zum Antworten brauchen. Einer outet sich doch glatt als Moneyboy. Stolz drauf... und ich dachte immer, das das wäre eine abfällige Bezeichnung. Gay Life in Thailand ist mittlerweile komplett online, auch wenn die Bars in der Silom Soi 6 brechend voll sind. Aber das sind auch reine Vergnügungs-Orte ohne Shows und offen ausgelebten Hormonstau. Also noch ein Abstecher in die vielgescholtene und berüchtigte Soi Twilight. Da, wo die Jungs mit nummerierter Unterhose immer gern blank ziehen und das Bier schlappe 12 Euro kostet. Nehme mir diesmal vor, mich nicht von den aggressiv nervenden Mama-Sans abzocken zu lassen. Also erstmal 2 Gin-Tonic auf "neutralem" Boden trinken, mitten drin aber sicher vor aufdringlichen Typen und käuflichen Kambodschanern. Das Dicks Café ist hier eine Institution. Nicht nur in Pattaya mit seinem bildhübschen Blumengarten, sondern auch hier mitten im Zentrum von Bangkoks Sünde und Fleischbeschau. Man kann sitzen, in Ruhe trinken und die Idioten anschauen, die sich von lautstarken Werbern in die schweineteuren Show-Lokale ziehen lassen. Gegenüber ist der Dream Boys Club, den es schon seit zig Jahren gibt. Erstaunlicherweise sehe ich ständig ganze Gruppen von Besuchern reingehen. Hallo??? Ich dachte die Soi Twilight geht an der krassen Getränkepreis-Abzocke kaputt, denn wer zahlt schon 12 Euro für ne Cola? Chinesen und Japaner tun es scheinbar. Kein einziger Europäer, aber die Besucher aus dem asiatischen Nordosten kommen in Scharen.... das muss ich mir ansehen. Also breche ich meinen Vorsatz, nie wieder einen Bangkoker GoGo-Laden zu besuchen und investiere die 450 Baht für ein Bier. Und tatsächlich... Während sich auf der Bühne unter Schwarzlicht ein paar Jungs Anfang 30 unbekleidet mit diversen Ringen gewisse Körperteile zur vollen Größe aufpumpen und athletisch sehr anspruchsvolle Stellungen darbieten, ist der Laden brechend voll. Kein freier Sitzplatz mehr... vorne sitzen ein paar chinesische oder koreanische Damen und kreischen laut, als einer der Jungs seinen ganzen harten Stolz vor ihnen hin und her baumeln lässt. Hinten reihenweise asiatische Zuschauer in stoischer Ruhe, die das ganze über sich ergehen lassen. Schnell ist die Show vorbei, die Gäste werden vom Staff zum Notausgang getrieben. Ich dachte erst an eine Razzia. Aber nirgendwo Polizei weit und breit. Nein, der Notausgang führt ins Erdgeschoss, wo sich schon knapp 30 Gogos in nummerierter Unterwäsche auf eine Bühne gestellt haben, um sich für die angeregten Besucher anzubieten. Ganz schön geschäftstüchtig, denke ich mir. Ware wird psychologisch wirksam präsentiert wie in einem europäischen Supermarkt. Der Bellboy rennt hinter mir her, wie die meisten gehe ich schnurstracks zur Tür. Ob ich denn schon gehen wolle, er könne mir ein paar richtig heiße Boys aus dem Angebot empfehlen. "Sorry, I run out of money"... Meine Begründung ist nichtmal gelogen, mehr als 1000 Baht hatte ich mir für den Abend garnicht mitgenommen und die sind in Silom und im Dicks Café und für das teuerste Bier der Welt im Dream Boys weitgehend draufgegangen. "Ok, you find ATM at the end of the soi, come back later" (Geldautomaten sind außerhalb der Seitenstraße, komm danach wieder) ruft er mir hinterher. Ja klar, damit die Abzocke erst richtig losgeht, denke ich mir. Die schlechten Erfahrungen letzten Februar sind mir eine Lehre fürs Leben. Da habe ich mitbekommen, wie die Mama San und 2 Jungs einen älteren Gast aggressiv und nötigend um 70 Euro erleichtert haben. Für 2 Bier und einen Boy neben sich sitzen haben. Sowas macht ihr nicht mit mir, das habe ich mir damals geschworen.

      Soi Twilight geht es erstaunlich gut, das musste ich heute feststellen. Totgesagte leben meistens ewig. Mal schauen, wie sich Pattayas Sunee entwickelt, wenn dieses Sprichwort stimmen sollte. Aber dazu nichts mehr in diesem Jahr. Morgen ist anderes wichtiger, ich muss in Chinatown dringend wieder Oolong-Tee einkaufen, und es gibt diese nette romantische Klong-Fahrt vom Siam Paragon zum Wat Saket... Und die Babylon Sauna mit Jimmy an der Gartentheke verdient mindestens einen Besuch. Bangkok ist zu schön und zu sympathisch, um es auf Soi Twilight und Silom Soi 6 zu reduzieren.

      (Fortsetzung folgt)
      Zwischenruf: Echt der (die) Hammer wie du schreibst. Mir wurde schmerzlich bewusst das ich 71 bin. Ich mag einfach nicht mehr.
      Apropos Dick's Cafè. Den Boss (Lukas) hab ich letzte Woche in seinem auch Dick's Cafè in Patty getroffen. Ist Schweizer wie ich.
      So, ich bleib grad mal sitzen für die Fortsetzung. ...
      Populismus ist die Pubertäts Zeit der Demokratie. :S
      Wenn man in Bangkoks Businessdistrict Sathorn wohnt hat man einen enormen Vorteil: Sowohl der Skytrain in den Norden als auch die Schnellboote am Fluss sind in der Nähe und man kommt mit wenigen Umstiegen schnell zu jedem Ort der Stadt. Also eine kleine Tour zu den buddhistischen Mönchen heute anstelle von Inifinity-Pool auf der 11. Etage, der von einer Gruppe nervender Teeny-Heten belagert wird. Unweit der großen Flussbrücke Saphan Thaksin liegt ein sehr altes Kloster namens Wat Yannawa. Hier ist gerade alles geschäftig mit Vorbereitungen für eine größere Veranstaltung beschäftigt. Die Novizen des Klosters verteilen dutzende Plastikstühle im Vorhof und ein Tanklaster spritzt riesige Mengen Wasser auf die Bäume und Blumen vor dem großen Chedi. Mir ist das zu unruhig, und Buddha kann man noch an 40 anderen Plätzen der Stadt Respekt erweisen. Also zurück in den Skytrain bis Siam Square und von dort mit dem Klongboat auf dem Kanal bis zum Golden Mount und Wat Saket, der meiner Meinung nach schönsten Klosteranlage Thailands. Das Paradies mit seinen zahlreichen künstlichen Grotten, Quellen und dem großen goldenen Heiligtum auf der Spitze des Berges ist aber leider auch schon länger keins mehr. Schuld daran ist die Nähe zur furchtbaren Khao San Road, dem Zentrum des Backpacker-Hippie-Kults, von dessen Billigunterkünften ständig Scharen an dummen jungen Menschen zum Wat Saket ziehen um in Beach-Outfit den resignierten Thais zu zeigen dass Respekt keine Chance hat gegen Partykultur. Mich hat das in Pattaya und auf Koh Samui schon so extrem aufgeregt, dass scheinbar ein Minimum an Respekt und Stille vor dem Heiligtum eines Gastlandes zu viel verlangt ist. Nun also auch Bangkok.... Nur noch schnell ein paar Bilder machen und weg hier. Zurück ins Gay Life, ein Tag auf den Straßen Bangkoks schreit geradezu nach etwas Entspannung in einer Sauna und Bangkok bietet da einen ganz besonderen Schatz.

      Babylon Bangkok ist eine der besten Gay-Saunen der Welt. Zumindest wenn man wie ich gewisse Ansprüche an das Ambiente stellt. Eine Gay-Sauna sollte mehr bieten als nur einen kleinen Pinkel-Whirlpool und zwei Darkrooms zum Druck ablassen. In Essen und in Köln zuhause gibt es die Phoenix-Gruppe, die auf einer riesigen Fläche eine wahre Relax-Landschaft mit Pools, Wasserfällen, Spielwiesen und Bars bieten. Aber in Bangkok toppt die Babylon das alles locker. Und nicht nur deswegen ist Bangkok als Reiseziel für mich absolut konkurrenzlos. Babylon Bangkok bietet in einem hübschen Haus, eingerahmt zwischen den Türmen des Banyan Tree Hotels und des Sathorn-Businessdistrics, eine wahre Oase mit Restaurants, diversen Theken, einem riesigen Pool und anderen Annehmlichkeiten inmitten einer der beeindruckendsten Metropolen der Welt. Nur in fußläufiger Reichweite ist sie nicht, man braucht schon einen TukTuk-Fahrer der sich inmitten des Gewirrs von kleinen Parks und hübschen Villen und Wohnhäusern in der Altstadt von Sathorn auch auskennt. Oder folgt einfach der "Botschafts-Route", von der Deutschen Botschaft in die Seitenstraße vorbei an den Botschaften von Dänemark und Malaysia und lässt das Goethe-Institut links liegen und schon ist man da. Irgendwas um 600 Baht (12 Euro) kostet der Eintritt, billiger als in Deutschland auf jeden Fall.
      Wie üblich verschließe ich alles in den Schließfächern und ziehe mir nur eine knappe Badehose an unters großzügige Handtuch... Thailändische Sitte, Thais ist es sehr unüblich vollkommen nackt selbst hier aufzutreten. Ein Unterschied zum FKK-gierigen Mitteleuropa. Unten am Pool liegt mein eigentliches Ziel, die wie ich sie gern nenne "Internationale Connections-Bar". Hier trifft sich die ganze Welt (vielleicht abgesehen des islamischen Teils) und redet miteinander. Ich schaffe es gerade noch einen Sitzplatz zu erhaschen, Dinner-Time ist vorbei und die Gäste verlassen das Restaurant der Sauna um sich hier einen Absacker zu bestellen oder den Pool, weil die Sonne mittlerweile untergegangen ist. Unter Thailands Sternenhimmel (tatsächlich ist es sternenklar, der Smog und die Abgase Bangkoks sind kaum zu spüren) beginnt ein lebhafter Austausch. Mittendrin Jimmy, Babylons Institution. Ein Thai Anfang 50, der irgendwie jeden Tag seines Lebens hier verbringt und fließend Englisch und Chinesisch kann und sich kaum verändert hat in all den Jahren, in denen ich hier ein und aus gehe. Er sorgt dafür, dass sich die Gäste miteinander unterhalten, so dass wirklich niemand alleine bleibt und selten alleine wieder geht. Und so reden ein Ire, zwei Thais, zwei Deutsche, ein Schweizer, zwei Australier, ein Engländer, ein Spanier und ein Japaner über Gott und die Welt. Nachdem literweise süffiges Chang-Bier geflossen ist löst sich das Grüppchen langsam auf. Ein Thai aus Chonburi, der Hafenstadt auf halben Weg zwischen Pattaya und Bangkok, ein Engländer und ich bleiben übrig. Ein weiterer Thai gesellt sich hinzu. Er arbeitet als Rezeptionist im 5-Sterne-Hotel Pullman G, und braucht dringend Zerstreuung und Entspannung. Schlechten Tag im Job gehabt, eine Reisegruppe aus Peking sei seit einigen Tagen da. Und dann beginnt er sich auszulassen über die üblen schlimmen Chinesen (ausgenommen HongKong, da legt er großen Wert drauf), die sich so furchtbar benehmen würden. Rotzen dauernd auf den gerade geputzten Marmor-Fußboden und in die Aufzüge, ständig muss er einschreiten und dafür sorgen dass die nichts kaputt machen oder verdrecken. Hach, alle Thais würden es momentan bitter bereuen dass man diese Leute ins Land eingeladen habe, alle Thais wünschten sich die europäischen Farangs so sehr zurück, mit denen hätte es kaum Probleme gegeben. Ich frage nochmal nach, obs nicht ein paar vereinzelte Erfahrungen seien und ich habe zuhause im Ruhrgebiet in Deutschland die Chinesen als sehr höfliche und saubere Menschen erlebt. Da mischt sich der Thai aus Chonburi ein: NEIN, das was sein Landsmann erzählt sei die Wahrheit und er könne für die meisten Thais reden wenn sie mittlerweile die Chinesen nicht mehr im Land haben wollten. Spielen da vielleicht auch andere Dinge eine Rolle, denke ich mir... Chinas Großmacht-Arroganz in der Region, die sich einfach Inseln und Fischereigebiete von Vietnam und den Philippinen nehmen und besetzen, andere Staaten finanziell von sich abhängig machen und damit die nationalbewussten Thais, die selbst stolz über eine große Marine und sogar Flugzeugträger verfügen, herausfordern. Zumal sich Thailand traditionell als Schutzmacht Südostasiens versteht, seit die Könige Chulalongkorn und Mongkut mit dem British Empire arrangierten als Pufferzone zwischen Französisch-Indochina, den Holländern in Indonesien und den Briten in Indien und Malaysia und so ihre Unabhängigkeit bewahrten. Und später an der Seite Amerikas gegen den asiatischen Kommunismus kämpften. Als Gründungsmitglied des ASEAN-Bundes, der als Wirtschaftspakt Wohlstand und Entwicklung in Abgrenzung zum Chinesischen Maoismus fördern sollte... Ich denke, dass man mit Geopolitik niemals alles erklären kann, eher haben tatsächlich viel zu viele Thais schlechte Erfahrung gemacht mit ihren entfernten nördlichen Nachbarn. Und da kommen bei den streng buddhistisch religiös denkenden Menschen wie vielen Thais auch Nachrichten schlecht an, in denen von der Unterdrückung der tibetischen Glaubensbrüder und ihres Oberhaupt-Mönchs Dalai Lama berichtet wird. Alle Gründe für die jüngste Abneigung gegen China hier darzustellen würde dieses Forum wahrscheinlich sprengen. Und ich bin auch nicht der Politik wegen in diesem Land. Generell sollte man sich vor allem jetzt als Europäer mit seinen streng westlichen Meinungen besser zurückhalten. Denn noch immer ist das Land in Trauer, auf Schritt und Tritt kann man den mit schwarzen Schleifen dekorierten Gedenkschreinen für den verstorbenen König begegnen, fast vor jedem Haus. Aber das Leben geht wieder weiter in Thailand.
      Punkt 21 Uhr schließt die Poolbar in der Babylon. Sinnierend über das Erlebte verlasse ich die Sauna. Ein Abstecher entlang der Convent Road nach Silom wäre jetzt ein guter Schlusspunkt. Balcony war ich schon, also mal was neues ausprobieren. Connections Bar schräg gegenüber ebenfalls in der Silom Soi 4 ist halbwegs leer, während in Telephone Pub und Balcony mal wieder der tägliche Wahnsinn Einzug hält und kein einziger Tisch mehr frei ist. Etwas Hunger gekriegt, die Speisekarte dieser Bar ist haargenau dieselbe wie im Balcony und im Telephone Pub. Die haben also eine Art Zentralküche hier für alle Bars. Wieder was dazu gelernt. Dafür ist das Stir Fry Chicken auf Zitronengras mit Reis richtig lecker. Gefühlt 10 Gläser Wasser später (und wieder haben die Thais mit Chilli nicht gespart sondern geklotzt) bin ich bereit fürs Bett. Der Skytrain ist weg, dämlicherweise fährt der letzte Zug um 23:30 Uhr ab Saladaeng Richtung Thonburi. Und die Taxifahrer nehmen für die 2,5 km mittlerweile 200 Baht, denn sie wissen genau wann der Skytrain nicht mehr fährt und dass die besoffenen Farangs dann keine Wahl mehr haben als mit ihnen zu fahren. Was solls, bin schon übler abgezockt worden, auf Koh Samui hat mich mal ein Taxifahrer um 400 Baht ausgeraubt für weniger Strecke. Seitdem meide ich auf Samui alle Taxis. Und im Gegensatz zu Samui hat dieser Taxifahrer dabei wenigstens ein umwerfendes Lächeln gezeigt......
      Na, wenn das kein Nobelpreis für "Durchblick" gibt. Auch schön deine Sauna Entladung. Herrlich, Danke lieber Gerry.

      Ich war so frei und habe den Teil über "die Sicht der Thais auf Chinesen", unter Gerry29 in ein anderes Forum kopiert. Danke.
      Populismus ist die Pubertäts Zeit der Demokratie. :S

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „thai.fun“ ()

      Silvester in Bangkok... Bisher immer mein Traum. Das Ruhrgebiet ist zwar offiziell Deutschlands größte Stadt mit fast 6 Millionen Einwohnern, aber hat nie seine dörfliche Struktur ablegen können mit 10 selbstverwalteten Einzelstädten und 5 Landkreisen. Mit anderen Worten, man wäre gern eine Metropole, lässt sich aber von Berlin, Hamburg, Köln und München regelmäßig vorführen. Entsprechend die Gay-Szene. Liegt nicht nur zig km weit verstreut, sondern bietet auch kaum etwas außer ein paar Bars mit psychisch nicht ganz gesundem Publikum. Unter anderem deshalb hätte ich Neujahr immer mal gern in einer echten sehr sehr großen Weltstadt gefeiert. Nach 10 Jahren im Job hats endlich geklappt mit der entsprechenden Gehaltsstufe und ich kann mir meine absolute Lieblings-Weltmetropole auf diesem Planeten tatsächlich auch über die schweineteuren Dezemberfeiertage leisten. Bangkoks Gay-Partyszene ist absolut jeden Besuch wert, das muss man einmal miterlebt haben. Wobei ich hier nur über die Silom-Szene reden kann. Für alle die sich in Bangkoks Gay-Life nicht auskennen: Es gibt mehr oder weniger 3 Gay-Zentren: Silom (entlang der Silom Road und der parallel verlaufenden Surawongse-Road, rund um Bangkoks Rotlicht- und Japaner-Viertel auf der Patpong-Fußgängerzone), Sukhumvit (in den Seitenstraßen der Sukhumvit Road verstreut, allerdings hauptsächlich Massage-Studios) und Sapan Kwai bis Ramkhamhaeng (die Thai-Gayszene im fernen Norden Bangkoks zwischen Chatuchak-Markt und der knapp 20km entfernten Ramkhamhaeng-Universität, die allerdings Thai-Only ist und Europäer halbwegs geduldet aber selten verstanden und noch seltener beachtet werden). Am Beginn der Silom Road liegen zwei Gay-Epizentren der Stadt, Silom Soi 2 und Silom Soi 4. In Soi 4 liegen die bekanntesten und größten Gaybars der Stadt, in Soi 2 der mit Abstand größte schwule Disco-Club Südostasiens.

      Es ist der 31. Dezember und ich habe den großen Fehler gemacht und mir für 75 Euro ein Ticket zur Neujahrsparty auf dem Dach meines Hotels im immerhin 40. Stock zu kaufen. Eine stinklangweilige Veranstaltung voller verheirateter Heteros und ihrem Anhang. Sogar VIP-Plätze hat das Hotel eingerichtet. Was ein Geld mache Typen ausgeben um ihre Weiber glücklich zu machen, denke ich mir und in Gedanken lästere ich noch etwas zotiger und definitiv nicht mehr jugendfrei weiter. Im Preis sind 3 Longdrinks inklusive, Einzelpreis wären heute 500 Baht pro Getränk. Kein Kommentar über so eine Frechheit. Aber Gerry ist bekanntlich innovativ und schmuggelt heimlich aus der Minibar in seinem Zimmer ein paar Getränke nach oben aufs Dach. In der Minibar kosten sie immerhin 400 Baht weniger......... Es wird 0 Uhr... und nichts passiert. Wusste jemand, dass in Bangkok Silvester ohne Feuerwerk gefeiert wird? Also mir war das absolut neu. Wegen dem verstorbenen König dieses Jahr nicht? Oder absolut in KEINEM Jahr? Keine Ahnung. Irgendwann wird es unter all den Heten doch sehr langweilig und das einzige vorhandene Homopärchen sind zwei Thai-Lesben, mit denen ist auch nicht viel anzufangen. Aber es gibt da einen Ort, an dem heute definitiv jede Menge abgehen dürfte: Silom Soi 2. Die DJ Station, Südostasiens größter Gayclub. Also nichts wie hin. Ich Depp stelle mich also an die Sathorn Road und es kommen mir tatsächlich dutzende Taxis und TukTuks entgehen, nur will keiner anhalten. Bis ich bemerke, dass der Skytrain noch fährt! Und nicht nur dass er um halb zwei Uhr nachts noch fährt (in Deutschland ein Ding der Unmöglichkeit!), sämtliche Fahrten heute egal wohin sind kostenlos (in Deutschland nicht nur ein Ding der Unmöglichkeit sondern auch krasser Verstoß gegen alle deutschen Naturgesetze, nach denen ein ÖPNV-Fahrer nicht nur extreme Fahrpreise verlangt und dabei zwingend extrem unfreundlich sein muss sondern auch definitiv um 22 Uhr spätestens nicht mehr arbeitet). Sorry liebe Taxis und Dreiräder, aber wenn der Bangkok Mass Transit ein Geschenk macht, dann nehmen wir es doch gerne an. 2 Stationen später liegt die Haltestelle Saladaeng und damit die Treppe abwärts zur Silom Soi 2. Ins DJ Station passen schätzungsweise vielleicht knapp über 1000 Besucher. Außer heute, da haben die Thais es tatsächlich geschafft mindestens 4000 Leute in die enge Partygasse zu quetschen. Entsprechend schweißgebadet ist man nach den ersten Metern hinter dem Einlass, nur dass man definitiv nicht den eigenen Schweiß am Körper spürt, sondern den von etwa 100 anderen. Irgendwie quetsche ich mich im Schneckentempo auf den Groundfloor. Dieser ist zwar nur Thais vorbehalten, die auf ihresgleichen stehen, aber wird da heute echt jemand drauf achten? Nein, natürlich nicht. Ich will ja auch garnicht die Thais bedrängen die sich gern farangfrei vergnügen möchten, sondern die Treppe in den 2. Dancefloor am Ende des Raumes erreichen. Weiter oben, so meine Hoffnung, wird das Gedränge und die Klaustrophobie weniger. Zur Treppe ist kein Durchkommen. Dafür fängt jemand an, das Gedränge und die extreme Enge auszunutzen und mir im Schritt herumzufummeln. Kaum in der Lage mich zu wehren suche ich den Übeltäter und zu meinem Entsetzen ist es kein hübscher süßer Thai, sondern ein etwa 140 kg schwerer Engländer mit Glatze und Zahnlücken. Ich unterdrücke den Würgereiz und kämpfe mich irgendwie nach draußen. Anderen Weg nach oben und tatsächlich ist es auf dem 2. Dancefloor, wo sich für gewöhnlich Farangs und Farang-liebende Thais treffen, leerer. Endlich kann ich meine Getränkefreikarten loswerden und in etwas Flüssiges umtauschen. Erschöpft setze ich mich auf die Treppe nach unten zum Groundfloor, die kaum jemand benutzt. Weil es unten mittlerweile so voll ist, dass einfach niemand mehr in diese einzige Masse an Menschen passt. Ich kann mich die CSDs auf Gran Canaria erinnern, bei denen im Yumbo auch ein Bereich namens SixPAckZone immer extrem überfüllt war, dass man weder vor noch zurück konnte. Aber gegen das heute im DJ Station ist jede SixPackZone auf Gran Canaria ein lockerer Menschenauflauf.
      Ich setze mich auf den mittleren Treppenabsatz und genieße meinen GinTonic, da kommt ein wirklich bildhübscher junger Thai, vielleicht 19-20 Jahre alt, herauf, bzw. versucht es. Aber es ist zu voll, er kommt einfach nicht vorbei an den vielen Menschen, ist auch ein ziemlich kleines dünnes Jüngelchen, denke ich mir. Also nehme ich mir ein Herz und benutze meine Körperkraft um ihm Platz zu schaffen. Und der Kleine bedankt sich mit einer schüchternen Umarmung und fragt woher ich komme. Ich sage, aus Germany, aber er versteht in der Lautstärke kein Wort. Seine Freunde ziehen ihn weiter Richtung Bar, sehnsüchtig blickt er auf mich zurück. Und ich komme mir ganz komisch vor. Hätte ich hinterher rennen sollen, versuchen zu flirten oder sonst was? Dafür bin ich nicht der Typ. Ich bin ein stoischer ruhiger Bär-Typ, der sich daran erfreut wenn er netten Jungs helfen kann und ich genieße es zu sehen wenn andere Menschen Spaß haben und glücklich sind. Selbst auf Jagt zu gehen nach einer mehr oder minder kurzen Bettgeschichte, das hat mir nie gelegen. Das ging vor 2 Jahren sogar so weit, dass ein Bar-Boy in Pattaya aus seiner eigenen Tasche mit seinem eigenen Geld die 300 Baht Bar-Auslöse bezahlt hat, damit er mich endlich ins Hotelbett abschleppen konnte. Aber diese hübsch gestylten blond gefärbten Thai-Jungs wie der kleine 20jährige heute, die können mir schon mit geringsten Mitteln völlig den Kopf verdrehen. Da reicht ein Lächeln und ich würde ihnen den Inhalt meiner Geldbörse, mein iPhone und was weiß ich noch alles schenken. Eine krasse Schwachstelle, die bisher zum Glück noch keiner ausnutzen konnte, auch weil ich mich nie so besaufe, dass der Verstand komplett in die Hose rutscht und gewisse andere Körperteile das Denken anfangen.

      Noch eine Zigarette rauchen auf dem Balkon und den knutschenden Jungs auf dem Durchgang zuschauen und dann beschließe ich zu gehen. Draußen vor dem DJ Station sind die allgegenwärtigen fahrbaren Grill-Mopeds aufgefahren und bieten ihre Köstlichkeiten an. Und wieder denke ich mir, wie geschäftstüchtig diese Thais doch sind, die wissen immer wo richtig Umsatz zu holen ist. Also bestelle ich mir an einem Wagen eine Tüte voll gegrillter Thai-Würstchen und Fleischbällchen. Ein Thai der vor mir auf sein Essen wartet grinst mich nur an und sagt, "so unhealthy" (richtig ungesund...), ich erwidere nur, heute ist alles erlaubt. Unter der Skytrain-Brücke warten bereits dutzende TukTuks zum Abtransport der zahllosen Partygäste. Ich steige gerade in eines ein und sage dem Fahrer, er soll mich an der Sathorn Road einfach rauslassen, da kommt jemand hinter dem Dreirad hergerannt. Es ist der blondierte kleine süße Schnuckel, dem ich am Groundfloor auf der Treppe geholfen habe. Hat mich jetzt gerade gesehen und will mich wohl kennenlernen, aber der TukTuk-Fahrer hat kein Erbarmen, gibt Gas und weg bin ich, der süße Thaiboy bleibt einsam auf dem Gehweg stehen....... Und so endet die Neujahrsnacht 2017 mit einer kleinen romantischen Tragödie.

      (Fortsetzung folgt)
      Der letzte Abend in Bangkok. Und ich versuche noch einmal mein Glück in der Soi Twilight. Wobei... Glück wäre vielleicht etwas übertrieben, eigentlich gehts nur um ein oder zwei Getränke und ein letztes mal die Stimmung genießen. Soi Twilight hat sich doch deutlich verändert. Es sind weniger Sexshows dort, insgesamt nur 4. Dafür haben mehr Host-Bars aufgemacht und es ist gemischter geworden. Während ich wie mittlerweile fast jeden Abend in Dicks Café sitze bemerke ich immer mehr Frauen und Hetero-Paare. Dass sich auch die Weiber die Dödel-Shows anschauen habe ich bei meinem letzten und einzigen Besuch im Dreamboys schon bemerkt. Aber mittlerweile sind selbst die Abschlepp-Bars am Beginn der Soi Ecke Surawongse Road von gemischten Paaren dominiert. Das ist das Überlebensrezept für Bangkoks verruchteste Schwulen-Ecke: Etwas mehr Mischung und etwas weniger Schweinisches. Was nicht heißt, dass man nicht noch immer "Body-to-Body-Massage" buchen könnte, nein, da gibts immer noch 2 Adressen. Und noch immer werden Cockring-bewehrte Ständer in den Show-Rooms vorgeführt. Aber weniger, nicht mehr so abgezockt, nicht mehr so aggressiv beworben, wie ich es noch vom letzten Jahr kenne.
      Neben dem Dreamboys und seinen versauten Shows liegt mittlerweile eine kleine Host-Bar. Also ein Laden, in dem man nicht nur was trinken kann, sondern auch noch von dem Personal nett angegraben wird. Ein süßer Typ setzt sich neben mich, er heißt Lek, kommt aus Chiang Rai weit im Norden Thailands und möchte gern mit mir ins Hotel. "I dont wanna work here", ist seine Begründung. Nein, ich sage ihm nicht dass das was er gerade tut, genau das ist, nämlich sein Job. Ich sage ihm die Wahrheit, ich kann heute niemanden mitnehmen, weil ich noch packen muss, morgen früh gehts nach Phuket. "Ok, take me short time, I go after"... Nein, so süß der Kleine ja ist, aber für ein kleines Abenteuer ist heute echt keine Zeit mehr. Erst ein wenig Bett-Sport, dann noch packen und wieviel Schlaf bleibt da noch über, wenn der Thai Airways 777-300 um 10 Uhr nach Phuket aufbricht und ich schon mindestens um 6 aufstehen muss... Sonst jederzeit gern, aber leider schlechter Zeitpunkt. Obwohl die Jungs aus Nordthailand schon meist sehr sehr gutaussehende Kerle sind, größer und meist etwas markantere Gesichtszüge als die eher kleinen Isaan-Jungs oder die eher malaiischen Züge der Jungs im Süden.

      Nächster Tag, Flug nach Phuket. Thai Airways war gemütlich, nur das Wetter ist gewöhnungsbedürftig. Wolkenverhangen, heiß... und unglaublich feucht. Heißer und feuchter, als ich es jemals in Bangkok erlebt habe. Trotz Aircon im Minibus strömt das Wasser aus allen Poren als ich endlich in Kamala Beach ankomme. Erste Amtshandlung: Shuttle nach Patong buchen. Machen mittlerweile fast alle Hotels, die was auf sich halten und der schweineteuren Taximafia wegen nicht die Gäste verlieren wollen. Als sich der MInibus des Hotels endlich durch den gigantischen Stau Patongs gekämpft hat (sowas habe ich nichtmal in Pattaya auf dem Weg von Jomtien nach Boyztown jemals erlebt), gibt es einen ersten Eindruck von Patong, Phuket in der Peak Season 2016/17. Die Stadt ist voll, so voll wie man man sich kaum vorstellen kann. Zigtausende Besucher, kaum Platz und ein reines Geschiebe und Gedränge auf der vollen Länge der Rath-u-Thit Road, der Patong Second Road. Unglaublich viele Geschäfte haben neu aufgemacht, vor allem Garküchen haben jede sonst noch verfügbare kleinste Nische besetzt. Auf dem Weg von der Bangla Road zur Gayszene am Royal Paradise Hotel herrscht ein einziger großer Nightmarket mit unzähligen Ständen. Die Gayszene leidet unter dieser massiven Raumbesetzung, denn jetzt müssen sämtliche Transferfahrzeuge des Royal Paradise Hotels durch die Straße mit den Gaylokalen. Früher war das mal eine reine Fußgängerzone, heute quetschen sich Reisebusse an den Außenbereichen der Bars vorbei.
      Überhaupt ist der Zustand der Lokale erschreckend. Patong platzt aus allen Nähten vor lauter Menschen, aber um 21 Uhr ist in der Schwulen-Gasse kaum ein Gast zu sehen. Die Hälfte der Läden hat nichtmal geöffnet oder sind längst geschlossen. Ich probiere mein Glück im My Way, eine Showbar mit einer stolzen Geschichte bis 1983. Früher mal die beste schwule Adresse in ganz Südthailand, wo man nicht nur die hübschesten Gogos, sondern auch ganz normale Bier-Abende haben konnte und richtig gute Transenshows liefen. Ich bin der einzige Gast, vorne auf der Bühne langweilen sich 6 Muskel-Typen jenseits der 30. Keiner von denen eine erwähnenswerte Schönheit, Bizeps und Waschbrett können ein Gesicht und Ausstrahlung eben nicht ersetzen (was übrigens für alle Schwulen der Welt gilt, erst recht für gewisse Landsleute bei mir zuhause...) . Nach einem Getränk gehe ich wieder. Rest in peace, ehemals beste Gaybar südlich von Pattaya. Gegenüber hat ein neuer LAden aufgemacht, aber auch hier ist noch nichts los. Das Connect, wo sich um die Zeit vor 6 Jahren bei meinem letzten Besuch reihenweise Besucher zum Abendessen tummelten, ist komplett leer, nicht ein einziger Gast. Ich gehe weiter Richtung Hauptstraße zu meinem nächsten Phuket-Favouriten. Spartacus Bar war mal die Host-Bar mit den hübschesten Boys Phukets, tolle Erinnerungen hatte ich noch vor 5 Jahren an einen jungen Thai aus Chiang Mai. Das Lokal ist leer, nur ein weiterer Gast, davor versuchen drei Jungs die wenigen Vorbeilaufenden ins Lokal zu locken. Auch hier passiert lange nichts. Erst ab 22:30 Uhr kann ich sehen, wie langsam das ein oder andere Lokal ein paar Besucher bekommt. Am Ende sitzen pro Etablissement vielleicht 8-10 Leute an den Tischen. Und das in der Peak Season, der Hauptsaison in der Hauptsaison. Gibts hier echt kaum noch Schwule oder was ist los? Patong ist hoffnungslos ausgebucht, draußen drängen die Menschen in riesigen Scharen vorbei, aber die Gayszene bleibt leer, während sich eine einzige Masse an Menschen durch die Bangla Road schiebt. Ich kann mich an den November 2011 erinnern, da bekam man kaum freie Plätze in den Gaylokalen, draußen tanzten vor jedem Laden hübsche Boys um für ihre Bar zu werben oben ohne, während sie von dutzenden, vielleicht hunderten Typen angeschmachtet wurden. "Come back wednesday" sagt mir Lao, einer der Jungs vom Spartacus. Und ich habe vor, die Patong-Szene dann nochmal zu checken. Aber wenn dies so bleibt, fürchte ich, wird Phuket demnächst genauso wenig ein schwules Reiseziel sein wie Koh Samui. Und dort gibt es bereits kaum noch Gay Life.

      (Fortsetzung folgt)

      Für Gerry 29

      Ich kann mich den euphorischen Lobeshymmen von Thai.fun nur vollumfänglich anschliessen!
      Aktuelle einschlägige Erzählkunst auf allerhöchstem Niveau zu Papier gebracht oder vielmehr ins Internet gestellt, wie man es hier und andernorts äusserst selten findet, wenn überhaupt. DANKE. Und ich erwarte sehnlichst Fortsetzungen......
      Phukets Gay-Szene unterhalb des alles überragenden Royal Paradise Hotels war in der Vergangenheit immer ein Hort der Beständigkeit. Wer Pattaya mindestens so oft besucht hat wie ich wird das nachvollziehen können. Hat man dort einmal ein Lokal gefunden, in dem man sich so wohlfühlt, dass man nur noch jeden Tag her kam, so konnte man davon ausgehen, dass es das Lokal ein Jahr später zum nächsten Urlaub entweder nicht mehr geben würde, oder aber dass Besitzer und Personal gewechselt wurden und aus der ehemals heimeligen Umgebung eine abweisende fremde geworden ist. Als ich von 2010 bis 2015 jährlich nach Pattaya fuhr, verbrachte ich mindestens die Hälfte der Zeit dort immer damit, mir ein nettes Stammlokal zu suchen, Gründe siehe oben. Bei Phuket, dass ich bisher sowohl 2006, 2009 und 2011 bereiste, war dies nie nötig. Man konnte eigentlich nicht viel falsch machen, denn die Bars waren alle an einem Ort gedrängt und von 2 Ausnahmen abgesehen auch alle gleich gut, was Ambiente, Preise und Personal anging. Und vor allem wechselten sie nie, Phuket war von der schwulen Infrastruktur her immer ein Hort der Beständigkeit, anders als das sich ständig neu erfindende Pattaya und das sich in einem wechselnden auf und ab befindliche Koh Samui. Umso mehr mein Schock, als ich vor 2 Tagen erstmals nach über 5 Jahren die Gay-Szene von Patong Beach besuchte (siehe Bericht weiter oben). Ich wollte Patong noch eine Chance geben, sich nochmals zu zeigen ohne Silvesterkater und vielleicht an einem anderen Tag als dem Wochenbeginn.

      Patong hat sich enorm verdichtet, im Vergleich zu früher mehr Geschäfte, mehr Verkaufsbuden, mehr Garküchen, mehr Restaurants. Und während bei den Heteros der Wahnsinn schon ab 19 Uhr losgeht und um Mitternacht erst weniger wird, geht es bei den Schwulen nicht vor 22 Uhr los und kann bis weit nach Mitternacht andauern. Dank dem massivsten Stau Thailands (nein, nicht am Siam Square oder der Rama IV Road in Bangkok, und nein auch nicht auf der Thappraya Road Ecke Pattaya Sai in Süd-Pattaya, sondern hier auf Phuket zwischen Kamala, Kathu und Patong stehen die Autos auf einer Länge von zig km) brauchte ich knapp eine Stunde für die 10km von Kamala nach Patong-Mitte. Nach dem üblichen Garküchen-Abendessen beschloss ich, es war knapp 21 Uhr, eine erste Runde durchs Gay-Viertel zu ziehen. Nutzlos. Kein Besucher da. Auf dem Weg hinaus traf ich einen der Jungs von der James Dean Bar, der vordersten Host-Bar nahe dem Eingang. Beim Abendessen in einer Thai-Garküche. War nichts los, da ist er eben was essen gegangen, was soll er arbeiten, wenns keine Arbeit zu tun gibt. Ok....... Raus aus dem Paradise Complex, durch die zahllosen Nightmarkets und das Shoppingcenter flanieren, und eine Stunde später wiederkommen. 22 Uhr, und tatsächlich füllt sich die Gay Szene langsam. Die ersten Besucher haben das Connect erreicht und nutzen das Wlan zum Checken ihrer Smartphones. Die meisten hängen vor der Boat Bar, der ältesten und bekanntesten Gay-Discothek, herum. Die Besitzer versuchen es nämlich mit Kampfpreisen, Happy Hour geht bis 23:59 Uhr und dann kostet jeder Cocktail nur 120 Baht. Das lockt eine Menge durstiges Publikum an. Gegenüber im Sundowners haben sich ein paar Paare die vordersten Sitzgruppen geschnappt und das Spartacus hat seine Jungs rausgeschickt, um oben ohne Werbung zu machen. Nur bei James Dean siehts noch trostlos aus, gerade mal 2 Tische von den 10 sind besetzt. Aus Mitleid setze ich mich zuerst hier hin, aber irgendwann nervt ein wenig ansehnlicher Typ mit seinen ständigen "You wanna Massass"-Anfragen doch sehr, zumal er so wenig Englisch kann, dass er nichtmal ein klares nein versteht. Also weiter. Im Spartacus gibts jetzt auch Boy Shows, die aber nicht so recht zum Ambiente passen wollen. Das Spartacus "macht auf Rokkoko", sieht von innen mehr nach einem Schloss oder Bürgerhaus des 18. Jahrhunderts aus, denn einer Gay-Bar. Nicht falsch verstehen, ich unterstütze es grundsätzlich, wenn jemand ein wenig Farbe in die Hand nimmt und die Einrichtung runderneuert. Aber goldene Spiegel, weißer Stuck, Kronleuchter und darunter Thais in Kostümen, die ihre Verrenkungs-Übungen vorführen, das passt irgendwie nicht. Aber mal grundsätzlich, das Ambiente ist schon geil, nur leider machen sie zu wenig draus. Neben dem Spartacus hat der Zag Club neu eröffnet. Disco-Konkurrenz für die Boat Bar mit Gogos und der dicksten adipösesten Transe, die ich je gesehen habe (ich gab ihr den absolut passenden Spitznamen "Sumo"). Voll ab 23 Uhr, so voll dass es zumindest draußen keine freien Plätze gab. Also weiter ins enttäuschende My Way, das die schlimmste Krise seit seiner Gründung 1983 mitmachen muss (?). Gerade läuft die Show. Aber nicht mehr die richtig geil gemachte Ladyboy-Performance, die 2011 noch teilweise sogar künstlerisch absolut anspruchsvoll war (eine Choreografie über die chinesische Geschichte Phukets im 19. Jahrhundert, als die Thai-Landbesitzer chinesische Arbeiter für die Zinn-Minen anwarben). Sondern härtere Gangart. Keine Farbenfrohen durchchoreografierten Transenshows mehr. Sondern blanke eingeölte oder eingeseifte Körper mit dicken Dingern in den viel zu knappen Unterhosen, die in fast jedem Act sowieso ausgezogen werden. Liebhaber dicker Dödel und Hardcore-Sexshows kommen hier mehr auf ihre Kosten, als wer sich ungezwungen unterhalten lassen will. Eine radikale Abkehr von früher. Allerdings billiger als in Bangkok oder Pattaya, hier auf Phuket zahlt man nie mehr als 200 Baht für ein Getränk im My Way, während das X-Boys in Pattaya und das Dream Boys in Bangkok das doppelte und mehr verlangen.
      So weit die Gayszene am Paradise Complex. Schwächer als früher, deutlich schwächer, denn auch wenn heute mehr Besucher da waren als vor 2 Tagen, mit den Massen an begeisterten Besuchern die ich im November 2011 noch erlebt habe, hat das nichts mehr zu tun. Ein weiterer deutlicher Hinweis, dass es mit den Besuchern nicht allzu gut bestellt ist, sind die Zahl der Hosts und Gogos. 2011 hatte allein das My Way knapp 20 Jungs beschäftigt, die sich mit Nummer am Slip zwischen den Shows auf die Bühne stellten. Heute sind es knapp 5-6. Das James Dean hatte 2011 noch fast 10 Hosts, heute ganze 4. Und die beiden schwulen Massage-Angebote im Paradise Complex sind komplett zu, wo früher mehr als 12 Massage-Boys um Kundschaft und Happy Endings warben. Da diese Jungs alle keine festen Gehälter beziehen und ihren Lebensunterhalt mit dem Geld der Farangs verdienen die sie anflirten, kann man grob darauf schließen, wie viel Kundschaft die Bars haben, wenn nur noch so wenige Jungs dort so ausreichend "Freier" abschleppen dass sie sich den Lebensunterhalt verdienen können. Rein rechnerisch sind demnach 2/3 aller Gäste, die noch knapp an der Grenze zur Nebensaison hier her kamen, nicht mehr da. Und das deckt sich mit den Erfahrungen, wenn ich alte Fotos von 2011 mit denen vergleiche die ich heute gemacht habe, dann sind tatsächlich entsprechend weniger Besucher hier. So viele weniger, dass das My Way die Künstler rausgeworfen und die Sexdarsteller reingeholt hat in der Hoffnung damit den Verlust aufzufangen. Ich habe ähnliches schon auf Koh Samui gesehen, und über Jahre in meiner Heimatstadt Bochum im Ruhrgebiet beobachtet. Das Gaylife stirbt hier. Irgendwann wird dass Angebot auch die jetzigen Gäste nicht mehr ansprechen, und dann wird die Gayszene verdrängt von anderen Businesses. Vielleicht werden in einigen Jahren noch die ein oder andere Bar fürs schwule Publikum öffnen, aber mit dem alten farbenfrohen und stolzen Gaylife vergangener Zeiten wird das dann endgültig nichts mehr zu tun haben. Vielleicht retten es ja die Kambodschaner und Laoten, so wie sie Jomtien gerettet haben kurz bevor es auch dort zu einem Massensterben kam. Aber ich glaube nicht mehr dran, zumal Phuket weit weit weg ist von den anderen Ländern Südostasiens. Denn alles was ich hier sehe, ist Phuket für Schwule nicht mehr ein lohnender Ort. Der Altersdurchschnitt hier ist niedrig, man sieht nur noch wenige Besucher über 50. Es dominieren junge Pärchen, junge Honeymooner, jugendliche Partygäste, Gruppen von Jungs beim Erkunden der Welt vor dem Ernst des Lebens, junge Familien mit kleinen und größeren Kindern. Europäische Hetero-Jungs kann man sich dutzendweise auf der Straße anschauen, nur Anfassen geht nicht wirklich aus gewissen Gründen. Und selbst bei Gayromeo und Grindr, die mittlerweile erfolgversprechendsten Methoden Thais kennenzulernen, gibt es auf Phuket mehr ältere Herrschaften aus aller Welt, als Thai-Boys. Noch sind wir hier nicht in Khao Lak oder Koh PhiPhi, den schwulenfreiesten Orten Thailands, aber wir nähern uns an, mehr als mir lieb ist.Und wie geht es jetzt weiter? Ich muss noch bis Mitte nächster Woche auf Phuket bleiben und reise dann zurück nach Bangkok für nochmal 3 Tage. Für einen hoffentlich gelungenen Höhepunkt meines Thailand-Aufenthaltes 2016/17, natürlich in der Babylon Sauna und in der Silom Soi 2. Und danach über Hongkong nach Hause. Die Eindrücke, die Thailand diesmal auf mich gemacht haben, beeinflussen bereits meine Planungen in ferner Zukunft. Nach Phuket werde ich definitiv nie mehr alleine verreisen. Nach Koh Samui ebenfalls nicht, obwohl ich dort im letzten Februar Glück hatte mit Nung und seinem kleinen Freundschafts-Bistro/Cocktailbar. Wenn Thailand, dann werde ich im nächsten November wieder nach Jomtien und Pattaya fliegen (eigentlich wäre ich auch jetzt in Jomtien gelandet, nur leider war mein Stammhotel Avalon Beach Resort am Dongtarn Beach in dieser Zeit restlos ausgebucht). Kein so schöner Strand wie Baan Kamala und Baan Chaweng Noi. Aber wenigstens das Nightlife stimmt und die Preise sind nicht so extrem wie hier auf Phuket. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass ich Thailand eher meiden werde. Vietnam reizt mich, oder Kambodscha. Am wahrscheinlichsten ist, dass ich im November dieses Jahres erstmals zum Winterpride nach Gran Canaria fliege anstelle einer Fernreise nach Südostasien. Wenn mein neues Hotel am Playa de Amadores dort langfristig überzeugt, dann fliege ich definitiv mehr als nur einmal im Jahr zum CSD dorthin. Auf Kosten Thailands, das dann mindestens 2 Jahre ohne mich auskommen muss. Aber mal ehrlich, mir hat in Thailand noch nie jemand gesagt, dass ich dringend gebraucht würde............

      Ganz vielen lieben Dank an alle Leser und für das nette Lob. Mehr zu schreiben lohnt sich nicht, denn über Tage nur an Pool und Meer und den kulinarischen und kulturellen Genüssen eines Landes zu berichten, dürfte doch arg langweilig werden. Oder?

      - (vorläufiges) ENDE-

      Gerry29 schrieb:

      Ganz vielen lieben Dank an alle Leser und für das nette Lob. Mehr zu schreiben lohnt sich nicht, denn über Tage nur an Pool und Meer und den kulinarischen und kulturellen Genüssen eines Landes zu berichten, dürfte doch arg langweilig werden. Oder?

      Es ist wie ein Roman.
      Dein Schreibstil und die Beschreibungen sind einzigartig, ich hätte definitiv nichts dagegen. Ein dickes Dankeschön :thumbup:
      -
      *
      Ich mach keine langen Geschichten mehr. Bin ja dieses Jahr auch "nur" in Pattaya Jomtien um wegen austerbender Familien Struktur nicht zu besinnlich sein zu müssen.

      Ich hab vor 3Jahren schon gesagt "Thailand nie wieder". Ich sage es auch diesmal. Obwohl es mir hier blendend geht. Nicht zuletzt wegen fehlender Hoffnung auf Neues, oder eben weil alles bekannt und wie gehabt.

      Bis jetzt sind mir im Jomtien Gay-Live "nur" 2 Dinge besonders aufgefallen. Das ganze Boys-Farang Karusell dreht zur Zeit im Jomtien Complex. Echt der Hammer. Im Gegensatz dazu, sehe ich die Weltbekannte Dontan-Beach in ein paar Jahren nur noch als ganz "normale" Beach. Die Strandbetreiber kümmert nur die Besetzung jeder Liege, egal wer, was oder wieso.

      Schade Gerry, dass och dich nicht treffen konnte...
      Populismus ist die Pubertäts Zeit der Demokratie. :S
      Danke für den tollen Report!

      Ich war im November 2015 erstmals in Thailand und hatte das Vergnügen, die Szene in Bangkok kennenzulernen, die mir wirklich gut gefallen hat. Nach einer kleinen Rundfahrt ging es weiter zu einem herrlichen Strandaufenthalt in Khao Lak, wo es übrigens eine Travestie-Bar mit Shows gibt. Vom schwulen Betreiber und seinen Mitarbeitern werden außerdem auch Tagesausflüge organisiert (fürs allgemeine Publikum).

      Abschließend sind wir auch für 5 Tage nach Patong gefahren und das war mit Abstand der schlechteste Abschnitt der Reise. Die Stadt ist laut, schmutzig und furchtbar. Und vor allem, da gebe ich Gerry recht, kein Ort, der sich für Schwule lohnt. Ich habe keinen Vergleich zu früher, weil es mein erstes Mal war, aber die Bars und Clubs waren total leer. Wenn man einen Drink genommen hat, musste man schon froh sein, wenn fünf andere Leute mit in der Bar saßen, unabhängig von der Uhrzeit. Mit den Gogo-Bars habe ich keine Erfahrung, weil das nicht mein Ding ist. Aber ich hatte schon gehofft, dass man einfach mal gemütlich einen Drink unter anderen Schwulen nehmen, ein bisschen tanzen und andere Leute kennen lernen kann. Fehlanzeige!
      Ich würde definitiv nicht noch einmal nach Patong fahren! Dann lieber länger in Bangkok bleiben fürs schwule Ausgehen und danach zu einem schönen Traumstrand ohne Schwule für die Erholung.

      LG
      Stefan
      Möchtest du mit mir die Welt erkunden?
      Ich organisiere Gruppenreise für Gays.
      Mehr Infos auf: https://www.gaytrotter.de/
      ---- Ergänzung ----

      Vielleicht ein kleiner versöhnlicher Abschluss zu Phuket und Patong? Wie jeder weiß, sind die längst vergangenen Zeiten immer die die schönen, guten, alten. Das liegt daran, dass sich der Mensch psychologisch immer sehr gerne an schöne Erfahrungen erinnert, während kleinere schlechte gern schnell ganz hinten im Gedächtnis verstecken. Bei mir zum Beispiel ist das so, dass ich mich nur an wunderschöne Sonnentage in Thailand erinnern kann, selbst bei 3x Phuket. Dabei war es nie so. Zum Beispiel in diesem neuen jungen Jahr: Regen hatten wir auf Phuket in den letzten 2 Wochen an 5 Tagen. Das ist eigentlich für hiesige Verhältnisse nicht viel, Phuket ist die feuchteste Insel Thailands, hier regnet es selbst in der Trockenzeit öfters und die strahlend blauen wolkenlosen Himmel auf den Hochglanzprospekten gibt es auch eher seltener. Die Insel liegt tropisch-äquatorial an einem offenen tropischen Ozean, lange wolkenlose Wochen wie in Pattaya oft zu erleben (was übrigens deswegen als Reiseziel mit Sonnengarantie in Thailand verkauft wird), sind hier einfach klimatisch nicht drin. Was nicht heißt, dass man keine Sonne bekommt. Selbst wenn die Wolkendecke öfters auch an schönen Tagen 50% des Himmels ausmachen kann, es bleibt genug Sonne übrig um seine Hautfarbe von schal-weiß auf zentralafrikanisch-schwarz zu färben, vorausgesetzt man bleibt entsprechend lange hier und übertreibt es pathologisch mit dem Sonnenbad. Nach 5 Tagen Regen (sehr erholsam, weil endlich stundenlanges Ausschlafen im Hotelzimmer, Lesen von asiatischen Sagen und Mythen in der mitgebrachten Literatur und das Vermeiden der stressigen Transfers nach Patong möglich wurden), lachte heute mal wieder die Sonne vom Himmel. Zumindest bis 16 Uhr, dann kam die nächste tropische Gewitterfront, wie eben oben beschrieben in Südthailand nunmal alltäglich. Mitleid hatte ich mit unserem Foren-Schreiber Max aka Thai_Fun, als ich auf dem Smartphone sah, dass unser Regengebiet nordwärts gezogen war und mittlerweile die Küste von Jomtien erreicht hat. Regen in Pattaya in dieser Jahreszeit, eigentlich ein Seltenheitswert. Aber zurück zu Phuket. Sonne macht leider immer auch Lust auf mehr als nur auf einer Liege am Pool die Wampe grillen zu lassen. Und so sah ich mir abends ungeplant und völlig spontan, Patong noch einmal, ein letztes mal, an.

      Leerer als letzte Woche, nicht viel, aber spürbar, da der Stau nur noch halb so lang war, und die Wartezeiten am Sushi-Restaurant Fuji im Einkaufszentrum nur noch 15 MInuten waren, nicht mehr 45 Minuten wie noch letzte Woche. Gerry liebt rohen Fisch fast so wie Thai-Food, aber Sushi war auf Gründen der Ungeduld in diesem Urlaub einfach nicht drin. Wer 45 Minuten wartet, um in einer Restaurant-Kette was essen zu dürfen, hat meiner Meinung nach nicht mehr alle beisammen. Und das trifft auf so einige Massen-Urlauber hier in Thailand zu, je mehr es sind, umso mehr Idioten sind unterwegs. Aber das haben sicher auch schon andere herausgefunden. Also Thai-Essen wie üblich. Wobei Som Tam Salat (grüner Papaya-Salat mit Erdnüssen) mit nur 3 Chillies irgendwie nicht schmeckt. Der braucht seine 8 Chillies um richtig zu schmecken und wenn das Wasser nicht in Strömen das Gesicht runterläuft und man mindestens 2 Liter braucht hinterher, war es auch nicht original Thai. Aber wahrscheinlich sind die meisten anderen Europäer nicht ganz so masochistisch veranlagt wie ich, wenn es um Thai-Food geht.

      Da der Shuttlebus nach Kamala erst um 23:30 Uhr ab Einkaufszentrum zurück fährt, bleibt also noch etwas Zeit um den Paradise Complex noch etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Denn wie üblich verstecken sich ein paar kleine Juwelen immer da, wo man nicht zuerst nachsieht. So zum Beispiel die ganzen Boy-Massagen. Die sind nicht mehr in der Straße mit den großen Szenebars, sondern versteckt in den ruhigen Straßen parallel. In die man aber nicht so gut kommt, weil von Garküchen und Nightmarket-Ständen versperrt. Geht man am Haupteingang vom Royal Paradise Hotel vorbei und in die beiden anderen Parallelstraßen zur Patong Second Road, kann man sich vor lauter Massageboy-Attacken kaum retten. Selbst in den verwinkelten Zwischenwegen finden sich noch die ein oder anderen. Da die allermeisten von Phukets Qualitätshotels mittlerweile das Mitbringen von externen Besuchern ganz verbieten, bleibt die Happy End Massage tatsächlich für Alleinreisende eine der wenigen Möglichkeiten, doch noch den einen oder anderen Triebstau zu vermeiden. Kann jedem nur empfehlen, einmal auf eigene Faust die Gassen vor dem Royal Paradise Hotel zu durchstöbern, da gibts neben den Massage-Jungs auch noch die ein oder andere schnuckelige Gaybar, die nicht in irgendwelchen Guides steht.
      Eine weitere tolle Sache, die mich doch etwas stolz gemacht hat in Patong war der wiederholte Besuch der Boat Bar. Party geht da eigentlich nie vor 0:30 Uhr los, wenn die Shows und die Disco-Fläche öffnen. Ich liebe ja diese alteingesessenen Szene-Institutionen (die Boat Bar Disco gibts schon seit Ewigkeiten), die sich nicht verändern und immer gleich gut bleiben, einfach weils sich bewährt hat. Das My Way war wie früher beschrieben, eine mittlere Enttäuschung. Aber die Boat Bar reißt den ganzen schlechten Eindruck der Patong-Szene weitgehend ein. Mit Kampfpreisen bis Mitternacht (100 Baht für jeden Cocktail oder Longdrink) und einer unglaublich ungezwungenen lockeren Atmosphäre wird des im Außenbereich schon ab 22 Uhr langsam voll. Der Thekenchef, ein älterer Thai um die 40 oder 50, ist einfach eine richtig coole Sau. Lässt seine Jungs arbeiten, und rennt mal eben zu einem vorbeiziehenden Händler, um sich Erdnüsse zu kaufen, die er sofort mit allen seinen Gästen teilt. Als eine Flasche Gin einfach nicht leer werden will, geht er mit einem breiten Grinsen rum und kippt jedem der noch einen vor sich stehen hat noch was ins Glas, damit seine Jungs endlich ne neue aufmachen können. Und er erinnert sich an jeden Besucher, gibt die Hand und macht ein wenig Smalltalk. Entsprechend beliebt ist er bei ganzen Gruppen länger hier verkehrender Gäste, die sich zu ihm drängen und die Unterhaltung suchen. Nach der Transenshow, die zwar eher einfach aufgemacht, aber doch ansprechend war, lässt der Thekenchef seinen langjährigsten Mitarbeiter auf die Bühne holen und dort für seine 16 Jahre ununterbrochener Arbeit in der Boat Bar hochleben.
      Schräg gegenüber der Boat Bar hat noch so eine andere Gay-Disse namens ZAG Club aufgemacht. Ich muss gestehen, ich war nie da drin. Wozu auch? Boat Bar ist einfach nur cool und geil. Um das My Way hab ich still getrauert. Aber wenn es irgendwann die Boat Bar nicht mehr geben sollte, werde ich Tränen vergießen.

      Und noch ein Örtchen verdient ein wenig bessere Darstellung. Kamala ist vielleicht nur ein Dorf 10km nördlich von Patong. Aber es ist trotzdem wert, dass man dort seine Zeit verbringt. Klar, überlaufen von nervenden Familien und es gibt auch garnichts schwules dort. Aber es gibt einen der schönsten und saubersten Strände in ganz Südthailand. Und seit die Liegestuhl-Betreiber weg sind, ist der Strand auch nicht mehr so extrem überlaufen. Wer Ruhe von Patong braucht, sollte hier absteigen. Die größeren Hotels fahren einen gern hin und zurück für zusammen nur 150 Baht, während die TukTuk-Mafia mittlerweile 500 Baht kassiert. Und den Thais, die hier ihr Business betreiben, ist es egal was man ist. Sie muntern auch gern einen Schwulen auf, der ganz verloren und allein unter Heteros seine Zeit verbringt. Auch wenn die nette Dame von der kleinen Bar einen hübschen Kerl nicht völlig zu ersetzen vermag. Aber so sind die Thais eben, sie kümmern sich, wenn sie davon einen wirtschaftlichen Vorteil haben und beenden mit ihrer Unbeschwertheit und ihrer offenen netten freundlichen Art so manche schlechte Laune einfach heraus. Und deshalb werde ich sehr wahrscheinlich im nächsten Dezember wieder in Thailand landen. Obwohl ich mir jedes Jahr fest vornehme, mal nach Vietnam oder Kambodscha oder auf die Philippinen zu fliegen, oder mal die andere Richtung nach Mittelamerika oder Kuba zu nehmen. Gibt es ein Heilmittel gegen den Thailand-Virus? Scheinbar nicht für mich.......

      Einzigartige Berichte, ich verneige mich

      Deine Berichte und Dein Schreibstil sind einzigartig. Seltene Spitzenklasse in jeder Hinsicht. Ich würde liebend gerne wieder von Dir hören, auch wenn es mal nicht Thailand sein sollte. DANKE!!
      @Gerry29 schrieb: "Mitleid hatte ich mit unserem Foren-Schreiber Max aka Thai_Fun, als ich auf dem Smartphone sah, dass unser Regengebiet nordwärts gezogen war und mittlerweile die Küste von Jomtien erreicht hat. Regen in Pattaya in dieser Jahreszeit, eigentlich ein Seltenheitswert..."

      Dann sende ich doch gleich einige Impressionen von gestern und heute im Regen Pattaya. Viel schreiben kann ich nicht mit meinen alten Griffel auf dem Handy.

      Aber erstens haben mir die Storrys von Gerry auch über die Regenzeit hinweg geholfen und zweitens ist auch so immer etwas los...






      Oder man wartet vergebens darauf, bis es diesen Elektriker mit Leiter an den Kabeln angelehnt im strömenden Regen da runterhaut. ..





      Stoisch warten auch die Boys auf Kundschaft. Nichts was einen Thai "vom Hocker haut".



      Und man/n hat Zeit für Ausgiebige Frühstücke
      Populismus ist die Pubertäts Zeit der Demokratie. :S

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „thai.fun“ ()

      Nette Berichte, vielen Dank! Aber mit den Zahlen hast Du es nicht so genau:
      Irgendwas um 600 Baht (12 Euro) kostet der Eintritt [Babylon Sauna]

      Babylon in der Woche 230 Baht, am Wochenende 250 Baht.
      Und die Taxifahrer nehmen f?r die 2,5 km mittlerweile 200 Baht, denn sie wissen genau wann der Skytrain nicht mehr f?hrt und dass die besoffenen Farangs dann keine Wahl mehr haben als mit ihnen zu fahren. Was solls, bin schon ?bler abgezockt worden

      Ich habe mich in insgesamt vier Jahren Aufenthalt in Thailand dreimal auf Taxi Fahrt ohne Meter eingelassen, einmal aus Unwisseneit (erster Besuch), und zweimal in Notlagen. Erfahrungsgemaess verlangen all in Silom oder Surawong (sicher auch Sukhumvit und Khao San, aber da bin ich selten, daher keine eigene Erfahrung) eine "flat fee" (die etwa das doppelte von dem ist, was das Meter zeigen wuerde). Aber da muss man nur ein paar Meter bis Rama 4 gehen oder eines der vorbeifahrenden anhalten, um mit Meter zu fahren. Und da die stehenden den Verkehr blockieren und ehrlichen Arbeit wegnehmen und ich in die zweite Reihe muss um ehrliche anzuhalten, moechten ich auch jeden ermuntern, nicht mit "flat fee" zu fahren.
      Allerdings billiger als in Bangkok oder Pattaya, hier auf Phuket zahlt man nie mehr als 200 Baht für ein Getränk im My Way, während das X-Boys in Pattaya und das Dream Boys in Bangkok das doppelte und mehr verlangen.

      Gogo bars in Phuket schneiden in der Tat auch meiner Meinung nach gut ab im nationalen Vergleich (Bangkok, Pattaya, Chiang Mai). Preise etwa My Way 200, X-Boys Pattaya 240, Bangkok Screw Boys 300, Bangkok Soi Twilight groesstenteils 400, Bangkok Dream Boys 450.

      Allgemeine Anmerkung zu Soi Twilight und Phuket: Preise die sich fuer das gebotene nicht rechtfertigen lassen, daher laufe ich durch Soi Twilight nur noch selten (welche Erleichterung, dass ich nicht davon abhaengig bin!) und Phuket moeglicherweise nie wieder.