Gay Pride Maspalomas 2018 - Nachbetrachtungen, Erinnerungen....

      Gay Pride Maspalomas 2018 - Nachbetrachtungen, Erinnerungen....

      Ein Glas Rioja in der Hand, eine Zigarre in der anderen. Auf dem Balkon des Gloria Palace Royal Hotels in Playa de Amadores, Gemeinde Mogan, Gran Canaria. Ein weiterer Gaypride endet für mich in 16 Stunden. Dann geht der Flieger nach Hause ins Ruhrgebiet. Zeit um die vielen und meistens schönen Erinnerungen Revue passieren zu lassen.


      Sonntag, 06. Mai 2018

      Hinflug nach Gran Canaria mit Condor von Düsseldorf nach Las Palmas. Die 757-300 ist mal wieder ausgebucht. Altersdurchschnitt gefühlt um die 70. Ein paar junge Tunten und ich als schwule Definitiv-Übers-Haltbarkeitsdatum-Hinaus-Aber-Zu-Jung-Zum-Sterben-Tucke mit mehr Bauch als von der Gayszene tolerierbar aber noch immer wesentlich weniger als die meisten älteren Hetero-Herren, drücken das Durchschnittsalter denn doch merklich. Über Deutschland tobt sich das schönste und wärmste Wetter des Jahres aus. Bedeutet, dass Regen und Kälte nach Süden, sprich Gran Canaria, abgelenkt werden. Tolle Aussichten... Und wirklich, kaum gelandet, eine dicke Wolkendecke. Huhuu, einziger Grund zum Jubeln ist, dass die egozentrische Tunte, die meine Stammkneipe führt und schon seit Freitag in Maspalomas ist, ein schlechtes Wochenende hatte. Dem gönne ich das, so boshaft darf man auch mal sein. Ab ins Mietauto. Natürlich ewig lange Schlange bei CICAR. Ist ja auch der einzige Vermieter, der auf den Kanaren die Urlauber nicht mit irgendwelchen bescheuerten Tankfüll-Bedingungen oder Versicherungszusätzen ausraubt. Hat sich leider rumgesprochen. Der Schnuckel hinterm Schalter (warum sind junge Spanier eigentlich fast so niedlich wie junge Thai-Boys?) gibt mir einen Opel Corsa (würg...), aber bis Amadores schafft man es sogar mit so einer Karre. Bin jetzt schon das 4. Mal in Folge im Gloria Palace Royal abgestiegen. Ist ein 4-Sterne-Haus mit Öko-Siegel. Stock-Hetero, an 355 Tagen im Jahr ohne schwanzlutschendes und zugleich männliches Klientel. Also Zeit dass sich das ändert. Der Service ist erstklassig bis perfekt, natürlich gibts dasselbe Zimmer wie in den letzten 4 Jahren! Haben sie extra reserviert, als ich gebucht hab. Hammergeiler Blick über die künstliche Bucht von Amadores und den Atlantik. Wie immer. So kann Urlaubsstimmung aufkommen.
      Dienstag, 08. Mai 2018

      Endlich sind die Wolken weg. Gut, war jetzt auch nicht sooooo schlimm, rund um die Gemeinde Mogan herrscht auf Gran Canaria mit das sonnenreichste Wetter überhaupt. DER Grund für mich, außerhalb von Maspalomas eine Unterkunft zu buchen. Habe schon erlebt, dass in Amadores, Taurito und Playa del Cura strahlender Sonnenschein war, während es in Maspalomas und San Agustin in Strömen geregnet hat. Gab zwar viele Wolken, aber auch ne Menge Sonne dazwischen. Was macht man, wenn auf Gran Canaria die Sonne brennt? Man legt sich drunter und chillt. Zumindest bis abends. Erster Besuch dieses Jahres im Yumbo ist langsam wirklich fällig. Also ab in dem Mietwagen, die Musik mit meinen Urlaubshymnen bis zum Anschlag aufgedreht und über die GC-1 Autobahn die 25km nach Maspalomas . Tipp: An der Straße, die von Maspalomas kommend den Hügel bis zum Yumbo hoch führt, sind die besten Parkplätze. Rund um die Avenida de Tirajana und das Yumbo ist alles bis 21 Uhr kostenpflichtig und man kriegt selten was freies ab. Auto stehengelassen und ab ins schwule Epizentrum. Natürlich hat sich wieder einiges verändert... hach... hab ich dieses Problem nicht schon jedes Jahr in Pattaya, dass sich dauernd was verändert, jetzt auch hier. Die Fetisch-Fick-Läden sind (fast) weg, dafür noch ne Transenbar neben dem Sparkles und seinen gehässigen Manchester-Fummeltrienen. Wenn es denn sein muss. Bärenhöhle ist seltsamerweise voll mit Fetisch-Gästen (ich dachte das ist eine Bären-Treff, keine Leder-und-Sportswear-Absteige!!!), Wunderbar mit mittelalten deutschen GrandPrix-Fans, Na Und natürlich leer (wird da eh erst immer ab 23 Uhr voller), aber meine Lieblinskneipe im Yumbo hat natürlich noch Platz für mich frei: Fiction Bar, die Kneipe, wo die süßen Jungs in Unterwäsche bedienen. Öhm... und neben den Jungs auch ne Schwarze mit einem gewaltigen beeindruckenden Hinterteil und ne Spanierin. Soll ja nicht heißen, dass Lesben nicht auch auf ihre Kosten kommen sollen......
      Mittwoch, 09. Mai 2018

      Der Maspalomas Gay Pride ist eine Riesen-Event für ganz Europa. Es geht um zigtausend Besucher und deren Geld. Klar, dass sich 2 Veranstalter um das Klientel prügeln. ProGay und Freedom heißen die beiden Initiativen. Beide haben eigene Websites mit Veranstaltungen und eigene Partys. Erinnert mich etwas an zuhause. In Essen gibt es zum Beispiel 2 CSDs. Einen von der Stadt zum Stadtfest mit organisiert und von einer eigenen Initiative unterstützt. Und einer, der von einer Gemeinschaft Schwuler Wirte und Szenemacher initiiert wird. Warum sollte das auch auf Gran Canaria anders sein. Da ProGay mit meinem absoluten Lieblings-Bootstourenveranstalter Afrikat zusammenarbeitet, ist meine Loyalität von Anfang an ziemlich eindeutig vergeben. Ich habe schon vor Wochen von ProGay 3 Veranstaltungen gebucht: 2 Bootstouren mit Afrikat und das heute stattfindende Mega-Partyevent Wet & White. Letzteres aus gewissem Eigennutz, denn die Wet & White findet im Amadores Beach Club statt, rein zufällig gerade 200m Luftlinie entfernt von meinem Hotelzimmer. Nix Bus-Transfer und Sitzplatz-Ärger mit selbstverliebten Party-Huschen, nein, einfach mit dem Beach-Lift zum Strand fahren, ein paar Schritte laufen, und schon ist man drin. Aber hat es sich gelohnt? Für die meisten Besucher definitiv, ist sicher ne tolle Party. Wenn man sehr jung ist, einen geilen Körper hat, jeden Tag 2 Stunden im Fitnessstudio lebt, mit vielen Freunden unterwegs ist oder eine Schar Liebhaber mitbringt... und genug Geld mitbringt. Ein Cocktail kostet mich 10 Euro, ein Bier 5 Euro. Ruckzuck sind meine mitgebrachten 30 Euro (für die ich im Ruhrgebiet einen ganzen Abend durchgesoffen hätte) weg. Ausgegeben. Erschöpft lasse ich mich auf eine Sonnenliege fallen. Sofort steht ein Kerl neben mir und fragt, ob ich die mieten wolle. Ich frage nach dem Preis. Er sagt, 50 Euro. Ich schlucke, würge kurz, und mache mich schnellstens runter da. Wen selbst Sitzen 2 Stundenlöhne kostet, wo zum Deibel bin ich hier gelandet? Na ja, zumindest erklärt es das Gruppenkuscheln auf den anderen Liegen, die Jungs haben sicherlich zusammengelegt und sich zu fünft auf eine Liege quetschen heißt ja nur, dass jeder einen Zehner abdrücken musste und noch Spaß dabei hat. Aber ein einsamer Wolf wie ich? Ist wohl endgültig falsch auf solchen Jugend-Treffs. Die 20 Euro Eintritt spare ich mir in Zukunft. Zurück auf meinem Hotelbalkon, nur 200m entfernt, gibt es ein kühles Tropical aus der Flasche und einen Mojito von der Hotelbar. Für nichtmal 6 Euro zusammen. Auf einer kostenlosen Rattan-Liege und mit eigener bester Musik auf den eigenen Boxen. Warum tun sich die Schwulen diese überteuerte Partyscheiße dauernd an und lassen sich ausnehmen? Vielleicht, weil man auf Gerrys Balkon keine 1000 anderen Jungs beeindrucken kann. Und Gerry zu beeindrucken ist nicht schwer, das schaffen Pattayas Gogo-Jungs und Thai-Boys mit wesentlich weniger Einsatz....Donnerstag, 10. Mai 2018Wozu braucht es eigentlich 2 Gay Pride Anbieter? Ich denke, vor allem deswegen, damit maximales Chaos entsteht. Heute brummt es am Minigolfplatz vor dem Yumbo. Das ist passenderweise ein Standard-Treffpunkt für alle, die irgendwohin gekarrt werden sollen um da zu Feiern und Spaß zu haben. Und heute gibt es 2 schwule Poolpartys und 2 Bootstouren. Beide letzteren starten von Puerto Rico aus, was das Ganze nochmal konfuser macht. Und so drängeln sich gefühlt 2000 Tucken am Eingang zum Yumbo-Minigolf und warten auf den Bus der sie ins gelobte Land karrt. Da ich ein altbekannter Afrikat-Catamaran-Fahrer bin, kennt mich der niederländische Tour-Agent seit Jahren persönlich. Und kaum bin ich aus dem Hiperdino am Yumbo raus, wo man noch schnell Wasser und Sonnenmilch kaufen kann, fängt er mich auch schon an. Seit 13 Uhr hat man ihn hier hingestellt, obwohl es erst um 14 Uhr losgeht. Na ja, ich will der Story nicht vorgreifen, aber 14 Uhr war es am Ende nicht geworden... Ein Bus nach dem anderen kam und sammelte selbstverliebte junge Typen ein für die Poolpartys. Und Afrikat fehlten noch immer 27 Teilnehmer. Unauffindbar. Der Holländer wurde immer verzweifelter. Wo waren die Jungs und Weibsen, die sich zum Mixed-Day angemeldet hatten? Meine Wette verlor ich, dass diese im falschen Bus gelandet seien. Die Tunten hatten mal wieder nicht das Kleingedruckte gelesen und sich in der Schlange für den Supercat-Catamaran angestellt... Na ja, meine persönliche Meinung wäre ja, dass Dummheit bestraft gehört und wer sich falsch anstellt, auch zusehen soll wo er bleibt... aber Afrikat hatte ein einsehen, man wartete stundenlang geduldig, bis alle den richtigen Bus erreicht hatten und es endlich los ging. Wie gesagt, 2 Veranstalter, 4 Termine, 10 Busse, 1 gemeinsamer Treffpunkt. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Ich kenne auf Koh Samui Thai-Anbieter, die das besser hinkriegen. Und selbst in Pattaya finden alle Chinesen und Koreaner ihren Reisebus und Führer mit Fähnchen. Als ProGay-Kunde wäre ich ja dafür, Freedom sämtliche Veranstaltung des Gay Prides zu untersagen, aber wer hört schon auf Gerry? Endlich auf dem Schiff angekommen, zieht es sich wieder zu. Na klar... Trotzdem ein schöner Tag. Aber morgen wird es sich zeigen, dass es ohne Frauen nur mit Jungs an Bord, der geilste und schönste Tag des Gay Prides wird.
      Freitag, 11. Mai, 2018

      2 Fahrten hat ProGay mit Afrikat ausgemacht. Eine gemischte mit Frauen an Bord am 10 Mai und eine nur für uns schwule Jungs am 11. Klar, dass Gerry natürlich beide gebucht hat. Ist auch besser, da auf Gran Canaria das Wetter Anfang Mai noch nicht stabil ist, kann es sein, dass eine Tour ins Wasser fällt, und die andere allerschönstes Sommerwetter kriegt. So auch diesmal. Die erste Tour war semi-optimal. Sonne aber auch Wolken, nervende Weiber an Bord, die trotz glasklarer Aufforderungen auf der Eintrittskarte kein Badezeugs mit hatten und dann im Stringtanga aufs Banana-Boat gestiegen sind (nein, es gibt Anblicke und Einsichten von nicht-männlichen Genitalien, die möchte der stockschwule Gerry einfach nicht anschauen müssen...). Alles anders heute. Kein Chaos wegen den scheiß Freedom-Events. Tour ausverkauft, 30 weitgehend bildhübsche Jungs an Bord, wenige andere Deutsche (sorry Landsleute, aber Urlaub heißt für mich vor allem, Abwesenheit von meinesgleichen) und ein knackiger sportlicher Muskel-Philippino, der mir die ganze Zeit von Puerto Rico bis Puerto Mogan die Zunge in den Hals geschoben hat und garnicht genug von meinen Lippen kriegen konnte. Hab zuhause beim dm-Drogeriemarkt ein neues Lippenpflegemittel gefunden, zum Glück scheinbar rechtzeitig... Leider wie die meisten Asiaten (und als Pattaya-Freund, Bangkok-Verehrer und Thailand-Verliebter durchaus den ostasiatischen Schönheiten wohlwollend zugetaner Genießer weiß ich leider wovon ich rede) ein typischer Butterfly bzw. Schmetterling eben, also ein hübscher Kerl der sich auf jeden Blütenstempel setzt um ihn zu befruchten, hat der bald von mir genug und sucht sich im Laufe der Bootstour noch 3 andere Typen zum Rumlecken. Mehr geht zum Glück nicht, ist ja keine Fick-Veranstaltung, sondern seriös. Gibt zwar auch ne Fick-Bootstour der diversen Cruising-Läden, aber auf diesen Lederfetisch-HIV-Schleudern würde ich selbst für 100.000 Euro mit mitfahren. Heute strahlt nicht nur die Sonne wolkenlos vom Himmel, sondern auch der Jetski-Verleiher in der Bucht vor Puerto Mogan hat gute Laune und lässt mich mehr als die üblichen 10 Minuten mit diesem Adrenalin-Gefährt Runden drehen. Nach einem wundervollen Tag auf See gehts zurück. Ich verspreche dem Captain, auch nächstes Jahr wiederzukommen. Was nichtmal gelogen ist, denn Gerry hat eigentlich vor, den CSD auszulassen und ab sofort den Winterpride zu besuchen. Und Mai oder November, ist doch Jacke wie Hose oder? Es hat einen ganz simplen Grund: Im November ist auf Gran Canaria das Wetter noch schön (hoffentlich...), in Thailand aber außerhalb von Pattaya und Bangkok unbrauchbar. Also wechseln wir doch einfach den Rythmus. Im März ist ganz Thailand schön, dafür gehts halt im November nach Gran Canaria. Hoffentlich ist es wirklich so, wie ich es geplant habe....
      Samstag, 12. Mai, 2018

      Der CSD Maspalomas hat seinen ganz großen Tag. An diesem Wochenende kann man sehen, wie viele Menschen wirklich ins Yumbo passen. Zahllose Spanier sind übers Wochenende vom Festland angereist. Die gesamte Jugend aus Las Palmas und den anderen Kanarischen Inseln hat sich in eigenen Kleinwagen aufgemacht. Und die zigtausend Urlauber aus Mittel- und Westeuropa sind eh da. Der Gaypride ist keine rein schwule Veranstaltung mehr, die es vor 8 Jahren vielleicht noch war. Fast möchte ich sagen, die Schwulen sind beim schwulsten Tag des Jahres auf dieser Insel sogar in der Minderheit. Junge Kerle in Feierlaune und scharf auf die vielen definitiv nichlesbischen Frauen überfluten das Gelände, ältere Ehepaare schauen sich amüsiert die vielen verkleideten Schwulen an, die sich in die buntesten und schrillsten Outfits geworfen haben. Und unzählige "beste Freundinnen" sorgen für ein gar unmännliches Gekreische auf den Dancefloors. Schwule Männer gibts auch noch. Ich schätze, jeder 2. Besucher gehörte noch irgendwie dazu. Aber das ist das Schicksal der Gay-Community Europas, sie wird sich auflösen im Hetero-Mainstream, erdrückt von allen, die zuerst mit ihr, und mittlerweile auf ihre Kosten in ihrem Rückzugsraum ihre Infrastruktur für den eigenen Spaß nutzen. Ein mit mir befreundeter Betreiber einer Gay-Disco im Ruhrgebiet klagte mir mal, der größte Fehler seines Lebens sei es gewesen, Frauen in seinen Club gelassen zu haben. Weils danach bergab ging. Ob Maspalomas dasselbe Schicksal bevorsteht? Keine Ahnung, wir sind ja nicht in Bochum, und 10.000 Schwule fliegen trotz allem noch her. Ich kämpfe mir den Weg bis ins Fiction, um festzustellen, dass der Wirt alle Tische und Stühle rausgeworfen und den Laden zu einer einzigen Dancefloor gemacht hat. Bloß nicht dahin, denke ich mir, das wird er bereuen, denn den CSD-Besucher bringen sich ihre eigenen Getränke mit und kaufen nichts von den Wirten. Er wird heute also kein wirkliches Geschäft machen. Nebenan im Mardi Gras, meinem zweitliebsten Lokal, ist noch Platz. Der Chef steht breitbeinig im Zugang. Als er mich sieht, erkennt er mich mich wieder und schüttelt mir die Hand. Klar, für Stammgäste ist immer noch ein Plätzchen frei. Ein völlig in Fummel gekleideter Engländer schaut mich erst mitleidig an, lächelt dann und verziert mich über und über mit Glitter. Ich gebe ihm und seinen Begleitern einen aus, man kommt in ein zwangloses Gespräch, trinkt, beobachtet das wilde Treiben. Deswegen liebe ich die englische Gayszene am Yumbo so. Man ist selten allein, die Briten sind offenherzig und kümmern sich schon aus Höflichkeit um Gäste und Nachbarn. Das kenne ich von den Deutschen, die heute eh lieber Eurovision Song Contest übertragen, nicht wirklich. Ich bin ein Deutscher, der die Deutschen im Urlaub meidet. Egal ob hier auf Gran Canaria oder in Thailand, ich hatte schon tolle Abende mit Engländern, Iren, Schweden, Schweizern, Niederländern, Dänen, Thais, Chinesen, Japanern, Burmesen, Australiern, Südafrikanern, Indern, Kanadiern, US-Amerikanern, Österreichern... Mit anderen Deutschen eher wenige. Die Deutschen meiden mich, ich meide meine Landsleute. Weil ich ihre größte Schwäche im Urlaub nicht mag: Verstocktheit und Verschlossenheit. Während die Engländer an der einen Ecke im Yumbo alle zusammen feiern, feiern in den deutschen Lokalen andere anderen Seite zig kleine Grüppchen nur für sich. In englischen Lokalen im Yumbo findet man fast immer irgendwie Anschluss und sei es, weil einem auffällt dass da jemand alleine sitzt und derjenige dafür nach dem Grund dafür fragt. In den deutschen Lokalen kannst du ganze Wochen verbringen und wirst zu 99% von niemandem auch nur mit dem Arsch angesehen. Sorry wenn ich das sagen muss, das haben andere Nationen uns selbstverliebten verstockten germanischen Auerochsen voraus. Gerry ist auch heute mit dem Auto hergefahren aus Amadores, in der fast schon selbstverständlichen Annahme, dass ihn eh niemand zum Saufen überreden wird, nichtmal die Engländer. Und selbst für den sehr unwahrscheinlichen Fall dass sich jemand für ihn interessiert, man kann von Mogan nach Playa del Ingles auch mit der Buslinie 1 fahren und die Karre stehen lassen. Letztes Jahr habe ich das mal ausprobiert, um dann feststellen zu müssen, dass alleine saufen keinen Spaß macht und sich die ganze Chose von wegen Auto stehen lassen und nächsten Tag mit dem Bus abholen nicht lohnt. Klar, wäre ich ein 20jähriger Boy mit dicken Oberarmen und Waschbrett vor der Wampe, vielleicht würde es anders laufen. Aber als ich in dem Alter war, gab es auf Gran Canaria noch keine Gay Prides geschweige denn schwules Leben... Um Mitternacht hat der alte Gerry Bettschwere erreicht und von dem vielen alkoholfreien Bier Magenschmerzen. Also Goodbye Yumbo, ab ins Bett.
      Sonntag, 13. Mai, 2018

      Ein herrlicher Sonnentag. Auf Gran Canaria wird es jetzt richtig warm. Eigentlich hätte ich ja heute eine Verabredung mit dem Roque Nublo, jenem Felsmassiv, das ein Natursymbol dieser Insel ist. Aber das verschieben wir mal gekonnt auf morgen. Zu schön ist dieser Tag. Auf Gayromeo tut sich kaum etwas, kollektives Verkatern ist heute angesagt unter den Schwulen. Und Sonne pur für Gerry. 6 Stunden dauert Bad unter der Sonne von Amadores. Abends steht die Abschluss-Veranstaltung des Gay Prides an. Wie üblich sind die Heteros weitgehend weg, viele Schwule schon auf dem Heimflug. Ein paar tausend haben es ein letzten Mal ins Yumbo geschafft. Die Bars sind nicht voll. Das Fiction hat erst garnicht aufgemacht. Wahrscheinlich liegt der Chef im Bett und frisst Kopfschmerzmittel oder hat keine Lust, das Chaos von gestern wegzuräumen. Entschließe mich kurzfristig, die deutschen Bars zu besuchen. Bärenhöhle ist noch so uneinladend wie immer, also lassen wir es bei einem kurzen Blick. Spartacus mit seinem Düsseldorfer Betreiber ist gut voll, in der Wunderbar läuft aber die bessere Musik. Also lasse ich da die Zeit vergehen bis zum letzten Act dieses Gay Prides. Die Moderatoren auf der großen Showbühne kündigen den letzten Act an, dieses Jahr die Band Vengaboys. Vor Jahren hatten sie mal Cascada, eine meiner sehr geschätzten Künstler, auftreten lassen. Vengaboys sind ähnliche Kategorie, 90er Partyhits wie Gerry sie mag und sie ihn an seine lange verflossene Jugend erinnern. Am Ende verabschiedet sich der Gay Pride Maspalomas 2018 standesgemäß mit Feuerwerk und Konfettikanonen. Schön wars, dieser letzte Tag. So wie Gerry es am liebsten hat. Gewissensbisse machen sich breit auf der Heimfahrt nach Amadores. Wars vielleicht zu übereilt, den Gran Canaria Urlaub auf November zu verlegen? Sollte dieser CSD noch eine Chance kriegen? Eigentlich wars doch ziemlich geil diesmal. Gut, auf den Samstag, an dem alle durchdrehen, auf den verzichte ich gerne. Aber der Rest war doch supergeil. Schöner Beginn, schöne Highlights mit Afrikat auf dem Atlantik, schönes Ende... Kann passieren, dass ich auch im Mai 2019 wieder hier bin. Aus Gewohnheit und weil es eigentlich keinen Grund gab, in den November zu wechseln. Trotz dass die CSDs qualitativ seit Jahren nachlassen und das Yumbo immer weniger Heimat für Schwule wird. Aber ich komme aus dem Ruhrgebiet, einer Stadt in Deutschland, die zwar mehr Einwohner hat als Berlin und Köln zusammen, aber nichtmal 5 brauchbare Schwulenkneipen unterhalten kriegt. Verglichen damit wäre selbst ein halb totes Yumbo noch das absolute Gay-Paradies....
      Montag, 14. Mai, 2018

      Der Gay Pride ist vorbei. Im Yumbo wird die Bühne demontiert, die meisten Schwulen sind längst auf dem Weg zum Flughafen, ein paar Unentwegte sitzen sicher noch in den Bars und hoffen auf ein Urlaubsabenteuer, das aber unwahrscheinlicher wird denn je. Ab jetzt bis September wird Gran Canaria den Hetero-Familien gehören, das Gay Life nur noch gering abspielen. In ein paar Tagen kommt ein schwuler Arbeitskollege von mir her. Der wird sich wundern und langweilen, denke ich mir, aber ich habe ihn gewarnt, die Nach-CSD-Zeit zu buchen... Ich habe dem Yumbo Auf Wiedersehen gesagt. Für mich endet der Urlaub zum Gay Pride Maspalomas hier. Die letzten beiden Tage auf dieser Insel gehören der unbeschreiblich schönen Natur hier. Die Tour mit dem Mietwagen startet in Amadores und führt über die GC-1 nach Mogan und von dort über die GC-200 bis kurz vor San Nicolas. Hier liegt der Cactualdea-Park, ein Botanischer Garten mit allen möglichen Kakteen und Sukkulenten aus der ganzen Welt. Einer meiner Lieblingsorte auf dieser Insel. Eine Stunde intensiver Naturfotografie geht es zurück bis kurz vor Mogan auf die GC-605 hinein in die Berge und ins wilde Cumbre-Gebiet mit seinen Seen, Kiefernwäldern und Vulkanfelsen. Vorbei am Presa de las Ninas, einem bildschönen Fleckchen Erde, bis ins Dorf Ayacata und dort auf die GC-600 Richtung ins Zentralmassiv. Die Berge erreichen hier über 1700m Höhe, alpines Klima herrscht, und ab hier beginnen die Wege zu den Naturmonumenten Gran Canarias. Mein erstes Ziel ist der Roque Nublo. Dieser riesige Überrest eines Vulkanschlotes, kann in ein paar km Laufweg durch eine fantastische Natur mitten durch Buschflächen und Gebirgswäldern erreicht werden. Trotzdem nichts für ungeübte Läufer, es geht über Felsen und wie in den Alpen rauf und runter. Nach 2km melden sich erstmals meine Kniegelenke und erinnern mich, dass ich keine 16 mehr bin, als ich mit meinem Vater noch gefühlt jeden schweizer Gipfel bestiegen habe (nein, es waren eigentlich nur die paar Berge dort, die man ohne Kletterzeugs und Gletscherausrüstung erwandern konnte). Den Roque Nuble erreiche ich erstmals in meinem Leben. Vor 2 Jahren habe ich, geschwächt von einer Grippe, die Strecke auf halben Weg abgebrochen. Hier oben, während sich an der Seite Schluchten und Abgründe auftun, sollte man besser keinen Schwächeanfall bekommen. Zur Belohnung kaufe ich mir am Busparkplatz knapp 2km unterhalb des Gipfels 2 Flaschen Rotein aus Tejeda. Die werden mich diesen Sommer zuhause noch an diese Tat erinnern. Die GC-600 weiter führt entlang der Bergmassivs weiter auf die GC-130, die Zufahrtsstraße zum Pico de las Nieves, höchster Berg Gran Canarias und zur Hälfte Militärisches Sperrgebiet mit einer Luftraumüberwachungseinrichtung. Der Gipfel ist trotzdem begehbar, man kann bis zur Aussichtsplattform fahren und hat einen fantastischen unfassbaren Blick über die ganze Insel. Im Dunst richtung Süden kann man die Dünen von Maspalomas sehen, westlich erhebt sich aus den Wolken der Pico del Teide, Spaniens höchster Berg und Zentralvulkan von Teneriffa. Zurück, entlang der GC130, wartet das nächste Naturschauspiel, die Caldera de los Marteles, ein riesiges rundes Tal und einst Lava-Kammer des riesigen Vulkans, der einst vor 4 Millionen Jahren Gran Canaria gebildet hat. Ab hier geht es bergab, die Straße führt in zahlreichen Kurven durch kleine Dörfer bis nach Telde und Ingenio, den Kleinstädten am Flughafen. Von dort fahre ich die GC-1 entlang zurück nach Amadores. 7 Stunden auf der Piste mitten durch Natur und Hochgebirge, ein Erlebnis, von dem ich kaum genug bekomme und jedes Jahr festes Programm ist auf Gran Canaria.




      Dienstag, 15. Mai, 2018Auch dieser Urlaub endet. Heute packen und alles für die Heimreise vorbereiten. Die Hotelgäste haben sich verändert, es werden immer mehr nervige Heten mit gackernden Hühnern im Schlepptau. Motorrad-Clubs, die Ausfahrten auf den Pisten der Insel machen wollen, Familien, Spießer... Ich bin froh, dass ich weg muss. Morgen geht der Flieger zurück nach Düsseldorf. Nächstes Jahr komme ich wieder. Garantiert, zu schön wars auch dieses mal. Möglicherweise im November. Oder wieder im Mai? Keine Ahnung. Vielleicht ziehe ich es ja mal durch mit November und dem Winterpride. Oder doch nicht und alles bleibt beim alten? Ich wollte eigentlich im März nächstes Jahr mal wieder nach Phuket oder Samui, dann müsste Gran Canarias Mai-Termin ausfallen. Noch ist etwas Zeit für diese Entscheidung. Wir sehen uns............
      Sehr schön und einiges zu Lesen, Danke!

      Aber ProGay und Freedom sind zwei unterschidliche Konzepte, Freedom ist ein Gemeinnütziger Verein und ProGay eine Veranstaltungsfirma die auch alleinig den WInterpride veranstaltet. HIngegen macht Freedom dieses selbsternannte Freedom Festival. In der Tat Freedom sollte weg, der Pride war mal besser als die ihre Finger da noch nicht drinne hatte. Es wird nun auch eine Initiative gestartet das zu beenden.

      Vor Freedom und ProGay gab es "nur" GLAY das ist auch ein Verein gewesen aus einem Zusammenschluss der Geschäftsleute der schwulen Bars etc. aus dem Yumbo, die haben den Pride ins Leben gerufen und ausgebaut. Freedom hat sich da nur eingenistet. Lustigerweise gibt es GLAY auch noch. ProGay ist nachdem Freedom gegründet wurde entstanden aus den Machern von GLAY um ein Gegenprodukt auf den Markt zu bringen.

      Alles etwas verworren, und as muss geändert werden.

      Was die Aussage zur Hetero-Insel betrifft, nun ja, dass stimmt nicht so ganz. Derzeit ist es noch gut gefüllt, das bleibt auch bis ende Mai so, dann wird es weniger bzw das Publikum ändert sich, jüngere schwule aus Spanien, Frankreich und Italien kommen auf die Insel weil es im Sommer billiger ist und weil es bei denen auf dem Festland meist auch ziemlich heiß werden kann, dass Inselklima ist da doch angenehmer. Die Briten und Deutschen schlagen sich dann lieber um die Sonnenliegen auf Mallorca, sollen sie gerne auch machen ;)
      +++++
      Unsere Webseiten:
      Gay Hotels / Gay Bungalows Paso Chico Gran Canaria & mehr ;o)
      +++++