Maspalomas Gay Pride 2019 - Reisetagebuch

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      Maspalomas Gay Pride 2019 - Reisetagebuch

      Alle Jahre wieder.....

      Erste Woche im Mai, auf Gran Canaria treffen sich Europas schwule Reisefreunde zum wahrscheinlich schönsten CSD des Kontinents. Das ist eine rein subjektive Meinung, ich komme aus einer Region in Deutschland, dem Ruhrgebiet, wo jede Stadt, und davon gibts etwa 6, so etwas wie einen "CSD" organisiert, der allerdings diese Bezeichnung kaum verdient. Köln denkt es sei der schwule Nabel der Welt (was es definitiv NICHT ist), aber es hat zumindest so etwas wie einen nennenswerten Gay Pride. Trotzdem nichts im Vergleich zu dem, was Jahr für Jahr in Maspalomas auf Gran Canaria organisiert wird. Wenn ich jetzt noch schreibe, dass dieser Gay Pride vor 8-10 Jahren mit das beste war, was es an schwulen Events in ganz Europa, wenn nicht weltweit, zu besuchen gab, dann kann man sich vorstellen, was diese schwule Insel in den Subtropen am südwestlichsten Rand Europas so zu bieten hat.

      2008 war ich erstmals hier. Im Gepäck einen fetten Kulturschock. Ich kam gerade (na ja, 5 Monate lagen ehrlicherweise schon dazwischen) von einem Urlaub in Thailand zurück und wollte dieses Land niemals wieder besuchen. Problem war, zum einen leider die schlimmste Regenzeit auf Koh Samui erlebt zu haben mit 14 Tagen Dauerregen und einer mir damals völlig durchgeknallten Gayszene Südostasiens, die ich weder verstand noch irgendwie mit klar kam. Das machen sehr viele Europäer in ihren ersten Urlauben in Thailand durch, die nicht die Kultur und erst recht nicht die Situation vor Ort nachvollziehen können. Aber das ist ein anderes Thema. Ich flog nach Gran Canaria um von Thailand Anstand zu gewinnen und verliebte mich hoffnungslos in diese Insel, ihre gewaltige wunderschöne Natur und die europäische Gayszene, die doch viel näher war als das, was es in Südostasien so zu sehen und erleben gab. Seit dem bin ich Dauergast zum Maspalomas Gay Pride, de wahrscheinlich schönsten und aufregendsten CSD Europas.

      So auch dieses Jahr. Flug mit Condor (alternativ mag ich Eurowings oder SWISS empfehlen, aber verzichtet wenn irgend möglich auf Vueling, Iberia und TuiFly) nach Las Palmas. CiCar, ein kanarischer Anbieter von Mietwagen, hatte mal wieder keine Kleinwagen, und upgradete mich wieder Willen auf ein Schlachtschiff namens Opel Astra Kombi, mit dem man garantiert keinen Parkplatz am Yumbo bekommt. Alles ok, denn diesmal hatte ich, sonst ein großer Freund von Puerto Rico und Puerto Mogan, tatsächlich mal ein Hotel vor Ort in Maspalomas gebucht.
      Maspalomas , vor allem das Gay-Zentrum Playa del Ingles, ist eine einzige große Bausünde, kaum geeignet für Liebhaber schöner Bauten und toller Naturparks, wie ich. Im Westen der Insel, vor allem im Bezirk von Mogan, schmücken sich die Dörfer und Hotels mit wunderbaren Bepflanzungen. In Ingles nicht. Aber es ist ähnlich wie im Thailand, die Schuwlen haben sich die unansehnlichsten Ecken des Landes für ihre Szene ausgesucht (hier Playa del Ingles, dort ein Moloch wie Pattaya oder ein Drecksloch wie Patong). Der Nachteil: Wer es sich gut gehen lassen will, sprich auch mal das ein oder andere nicht jugendfreie Getränk genießen mag, muss ein Hotel in Laufreichweite buchen, und Puerto Rico oder Mogan sind 30km entfernt. So gab ich nach 10 Jahren Stammgast am Playa de Amadores auf und buchte eine der Top-Adressen in Playa del Ingles, knapp 900m entfernt vom Yumbo. 4 Sterne, aber leider kein Vergleich zu Amadores und dem Gloria Palace, dem wahrscheinlich schönsten Hotel Gran Canarias (wenn es doch nur nicht so weit weg vom Yumbo wär...). Dafür hat das Santa Monica Suites Hotel eine unschlagbare Lage: Es ist eines von nur 3 Hotels mit direktem Zugang zu den Dünen. Ultimative Ruhe und romantisches Meeresrauschen nachts, aber keine 15 Minuten Laufweg mitten ins Zentrum des Gay Prides. Ein Standortvorteil, der sich herumgesprochen hat. Außer mir finden sich nach dem partyfreundlichen (sprich späten) Frühstück noch knapp 2 dutzend andere Schwule am Pool ein.

      Abends in Schale werfen und ab zum Gay Pride im Yumbo. Da das Essen im Santa Monica eher mies ist, beschließe ich, im Yumbo zu speisen. Seit Jahren Anlaufstelle ist das Cosmos Steakhaus. Nicht nur weil ein netter Skandinavier Inhaber ist, sondern weil man von dort den perfekten Blick auf das Geschehen am untersten Level des Yumbo hat. Das Yumbo füllt sich nach 21 Uhr schnell und deutlich. Als ich mit Essen fertig bin, sind bereits die meisten Bars komplett voll. Die deutsche Ecke mit Wunderbar, Spartacus, und Na Und ist dicht, mal wieder ESC-Vorglühen. An der Bärenhöhle, der Anlaufstelle für die deutschen "stark behaarten" und deren Freunde, stehen die Gäste bis draußen. Also ab zu meinen englischen Stammkneipen. Fiction Bar, die Gaybar mit den hübschen Jungs in Unterwäsche, hat entweder neues Management oder mal wieder das Personal komplett ausgetauscht. Schlechte Cocktails, wenig ansehnliche Waiters, wenig Platz... also weiter. Mardi Gras nebenan, eine der wirklich herzlich netten Bars, ist voll. Was bleibt, sind die "neuen" Transenshows auf der Südseite des Yumbo.
      Tatsächlich gibt es auf dem Ground Floor des Yumbo keinen einzigen Fickschuppen mehr. Ehrlich gesagt, ich war eh nie ein Freund von Bunker, Construction und ähnlichem, jenen Abmelk-Sling-Adressen für die älteren dauergeilen Leder-Poppers-SM-Typen. Aber diese Dinger durch noch mehr Transenshows ersetzen soll innovativ sein??? Na ja... Reynolds Showbar heisst eine davon, letztes Jahr unter anderem Namen noch eine Fetisch-Fick-Adresse. Aber die Show ist geil und die Preise human. Lip-sync Transenshows sind vielleicht nicht jedermanns Sache, aber mir wohl bekannt aus Thailands Pattaya, so dass ich mich irgendwie wie zuhause fühle. Wobei die Thais nie die Interaktion mit den Gästen so gut hinbekommen wie die "Girls" hier in der europäischen Gayszene. Und am Ende sind meine Vorurteile weg. Dieses Angebot verspricht einen geilen CSD-Urlaub, die Showbars eine nette und vor allem nicht so überfüllte Alternative im Yumbo. Den nun nicht mehr vorhandenen Leder-Fick-Läden weine ich jedenfalls keine Träne nach.
      CSD-Mittwoch und Donnerstag...... Die Zeit der schwulen Bootstouren


      Der CSD dreht Richtung Höhepunkt, der Terminplan wird voller. Mittlerweile stehen mittags die Busse am Yumbo Center Schlange um die Jungs und Männer zu den zahlreichen eher außerhalb gelegenen Angeboten zu karren. T-Dance (keine Ahnung was das sein soll), Wet & Wild am Playa de Amadores (war ich letztes Jahr, da wird man abgezockt, soll z.B. 50 Euro für eine Sonnenliege zahlen, und die Jungs sehen alle gleich aus), und noch mehr Sachen auf die ich jetzt nicht so geachtet habe, stehen an. Ich habe mir wie üblich Karten für alle schwulen Bootstouren besorgt. Wenn schon feiern, dann in kleinerem Kreis mit maximal 40 Jungs und nicht an Land sondern auf einem Ozean. Warum? Tja, schwere Frage. Vor 10 Jahren war ich in Thailand mit Rainbow Scuba unterwegs. Die einzige schwule Bootstour in ganz Südostasien. Gibts kaum noch, weil der Anbieter keine Lust mehr hat und nur noch VIPs chauffiert. Da siehts auf Gran Canaria zum Glück anders aus. Wer schonmal im Hafen von Puerto Rico war und die zahlreichen Ausflugsdampfer sieht kann sich vorstellen, dass die sich die schwule Kundschaft kaum entgehen lassen können. Zum diesem CSD werden insgesamt 5 Touren angeboten. Irgendeine Cruisingbar macht einen Fick-Ausflug aufs Meer. Das ist Tradition seit zig Jahren und wechselt jährlich den Organisator. Wer es am liebsten in Leder oder anderen Fetischklamotten auf einem Schiff treibt und absolut nicht oberflächlich ist was das Alter und Aussehen seiner Sexpartner angeht, wird hier glücklich. Ansonsten konkurrieren 2 Anbieter um die schwulen Besucher: ProGay, ein schwuler Veranstalter, bucht gern den Afrikat-Katamaran für 2 Ausflüge zur wilden Steilküste im unbewohnten Westen der Insel. Gay Maspalomas , ein Internet-Reisedienstleister für Schwule, vermittelt Ausflüge auf dem Piratenschiff oder dem Supercat-Katamaran. Ich habe beide ausprobiert. Ok, von dem einen bin ich seit Jahren ein großer Fan, von dem anderen nicht. Bitte berücksichtigt dies bei meiner sehr subjektiven Beschreibung.

      Mittwoch, Gay Maspalomas lädt auf das Supercat. Gebühr ist an einen gewissen Tarkan vor Ort in bar abzudrücken... na ja. Ist aber billiger als ProGay. Mit dem Bus fahren knapp 40 Jungs und Weiber (ja, auch auf Gran Canaria gibts ne Menge Lesben...) nach Puerto Rico. Supercat ist ein breiter Katamaran mit Stühlen an Deck. Liegen wären mir zwar lieber, aber gibts nicht. Ohrenbetäubende Musik schallt aus 2 Lautsprechern, unter Deck ist ein DJ. Das Publikum ist vor allem englisches Partyvolk und bereits um 14 Uhr mächtig besoffen. Sie sind nicht die einzigen. Im Yumbo ist ein junger Engländer in einem Mix aus Drogenrausch und Alkohol in der Mittagshitze kollabiert. Zum Glück, bevor er, wie von Sinnen, allen Zuschauern sein bestes Stück präsentieren konnte. Die spanische Ambulanz brauchte 30 Minuten um zu kommen, währenddessen wurde er mühsam mit Wasser bei einem Rest von Bewusstsein gehalten. Nur ein Exzess von zahllosen auf einem CSD Maspalomas . Auf dem Boot dröhnt die Musik, bis Tinnitus und Kopfschmerzen kommen. Die Fahrt geht von Puerto Rico in die benachbarte Bucht von Arguineguin. Ist das eine Bootstour, die gerade mal eine Strecke von 5km zurück legt? Das übliche Angebot kommt, also schwimmen im Meer von Arguineguin (dafür hätte man kein Boot mieten müssen...) und ein paar kostenpflichtige Wassersportangebote. Ich entscheide mich für Jetski. Ja, sorry, ich bin einer der dabei richtig abgeht und in Thailand aufgrund mafiöser Abzocker diese Angebote nicht wahrnehmen kann. Vor allem in Phuket, Samui und Pattaya sind massenhaft Verbrecher unterwegs, die einem Jetskis vermieten und dann extreme Zusatzpreise verlangen für angebliche Beschädigungen, sogar die Polizei von Pattaya soll von denen bestochen werden so dass man keine Hilfe zu erwarten hat. Hier auf Gran Canaria ist das alles ungefährlich, die Anbieter sind ehrliche Wassersport-Veteranen mit topgepflegten Maschinen und haftpflichtversichert. Jede Bucht hat ihren eigenen Parcours, In Arguineguin, in Puerto Rico und in Puerto Mogan.
      Nach wenigen Stunden legt Supercat wieder ab. Ein paar Runden bis nach Playa del Cura und zurück nach Puerto Rico, die Sonne steht schon tief. Die Schiffsbesatzung sammelt noch ein wenig Trinkgeld, erhält aber von einigen besoffenen Party-Lesben nur unerwünschte Einblicke, als diese ihre Shirts hochheben und ihre Titten präsentieren. Für Heteros vielleicht ganz nett, mich als Schwuler interessiert so etwas höchstens rein wissenschaftlich.

      CSD Donnerstag, ProGay lädt zum Afrikat-Katamaran. Der ist etwas kleiner als Supercat, aber macht das durch bessere Stimmung wett. Hier ist sehr viel weniger Partyvolk unterwegs, viele Ältere sind auf dem Schiff aber auch einige wirklich bildhübsche Jungs zum Zungeschnalzen. Vor allem hat Afrikat Sonnenliegen an Deck, viel bequemer. Die Musik ist weniger nervig sondern etwas dezenter. Und es geht nicht nach Arguineguin, sondern an eine sehr einsame Bucht zwischen Puerto Mogan und San Nicolas de Tolentino, weit an der wilden Steilküste im Westen der Insel. Aus dem Dunst erhebt sich am Horizont der gewaltige Pico del Teide, Teneriffas Zentralvulkan und Spaniens höchster Berg. Auch hier liegt, wie passend für mich, eine Jetski-Bahn. Also rauf auf die wilden Scooter und den Atlantik umpflügen. Nur hier ist man allein auf dem Meer, keine Glasbootfähre auf die man aufpassen muss, keine Schwimmer vom Strand von Arguineguin, nur ich und das unendliche Meer. Vom Adrenalin erschöpft, lande ich wieder auf dem Katamaran. Mittlerweile hat sich ein riesiger Schwarm Fische rund um das Boot bequem gemacht. Die Tiere wissen was gleich kommt, sie erhalten die Reste des Mittagessens. Ein gigantischer Anblick beim Schnorcheln. Sowas erlebt man nur auf Gran Canarias extrem sauberen Gewässern oder im Nationalpark Koh Chang in Thailand. Mit dem Unterschied, dass Koh Chang das Gegenteil von schwul ist, wie ich im letzten Dezember leidvoll erfahren durfte. Die Fische sind jedenfalls gründlich, sie lassen von den restlichen Papas Arugadas und Fleischbällchen nichts übrig aber verzichten zum Glück darauf, auch mich oder die Schnorchelbrille anzuknabbern. Währenddessen hat ein Motorboot einen Saxophonspieler an Bord gebracht, der gemeinsam mit dem DJ für eine hammergeile Stimmung aus Remix und Lifemusik an Bord zaubert. Die Fahrgäste sind begeistert und tanzen an Deck.

      Vor Sonnenuntergang ist die ganze Gemeinschaft dieser Bootstour wieder am Yumbo. Wenige Stunden später, die Sonne ist untergegangen und im Süden strahlt der Planet Jupiter hell über dem kanarischen Sternenhimmel, füllt sich das Yumbo bis fast zum Bersten. Die Six Pack Zone ist rappelvoll und nichts für Klaustrophobiker, in den Bars kaum noch freie Plätze. Feuerwerk startet mit lautem Knall in den Nachthimmel. Der Gay Pride geht langsam auf seinen Höhepunkt am Wochenende zu.
      ​ Der Gay Pride geht langsam auf seinen Höhepunkt am Wochenende zu.

      Na dann viel Spaß in der Hitze - bin ein bisschen neidisch deswegen. Ehrlich :) :thumbsup:
      ​ Wochenende : Sahara-Hitze auf den Kanaren » Temperaturen um 35 Grad erwartet.
      kanarenmarkt.de/sahara-hitze-a…-☀-35-grad-erwartet/94451


      Danke für die tollen Berichte :)
      Ich habe zwar nicht so eine tolle Kamera wie Max, aber hier ein paar Eindrücke. Das CSD-Wochenende beginnt.....



      Die SixPackZone im Yumbo ist mal wieder etwas eng.



      Auch auf der MainStage geht nach Show-Ende ziemlich die Post ab.



      12 Böller Feuerwerk künden vom Ende des Main-Acts auf der CSD-Bühne. Aufgenommen von Reynolds Show Bar, Yumbo Center



      Dort hat die etwas versaute Miss GiGi Extravaganca einen ihrer letzten Auftritte. 10 Minuten später folgt der von Travestiekünstlern so inszenierte Act des öffentlichen Abschminkens. Und man sieht es vielleicht nicht, aber unter dem Fummel verbirgt sich ein waschbrettbäuchiger Traumkörper...



      Der Platz an der Yumbo Main Stage füllt sich langsam



      Ein Dance-Act auf der CSD MainStage beginnt
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      Ja, seit 5 Tagen sieht ist nicht eine einzige Wolke über Gran Canaria zu sehen. Rekord. Vor dem Afrikat Catamaran und der Gay Boat Cruise erhebt sich am Horizont der Pico del Teide, Teneriffas Vulkan und Spaniens höchster Berg



      Die gemischte schwul-lesbische Gruppe, knapp 40 Teilnehmer, bereitet sich auf die Fahrt zur traumhaften Bucht knapp 10 Minuten hinter Puerto de Mogan an der Westseite der Insel vor. Bei solcher Sonne braucht es eine Menge Creme...



      Was Rico hier mit seinem Blasinstrument macht, brachte ihm Jubelstürme ein. Der Junge kann Stimmung machen....



      Wer mag vor solcher Kulisse nicht ins tiefblaue Wasser springen und schnorcheln



      Der letzte Hafen vor dem Ziel, bildhübsch schmiegt sich Puerto de Mogan an den Ausläufer der Barranco de Mogan. Bis San Nicolas ist die gesamte folgende Westküste unbewohnter Nationalpark
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      Seit Tagen muss ich über eine sehr wichtige Frage grübeln, zumindest für jeden, der dieses schwule Paradies Gran Canaria besuchen möchte: Wo soll ich bloß absteigen???? Ich persönlich bin ein gewisses (luxuriöses) Ambiente gewohnt. Das passiert, wenn man alt wird (bitte, der Autor dieser Zeilen ist vor Monaten schon 42 geworden, für schwule Verhältnisse ist das kurz vor dem Gay-Szene-Tod), es werden andere Dinge wichtig, wie gutes Essen, toller Rotwein, bequemes Bett, Ruhe und angenehme Entspannung. Ich bevorzugte bisher die hochklassigen Hotels an Gran Canarias Südwesten. Grob gesagt alles was zum Landkreis Mogan gehört (Playa del Ingles und Maspalomas gehören zum Landkreis San Bartolome de Tirajana). Die sind vergleichsweise nicht mal teuer. Dieselbe Kategorie in Maspalomas kostet locker 300 Euro mehr pro Woche. Nachteil: Man ist ziemlich abgeschnitten von der schwulen Welt. Kaum ein Schwuler bucht sich in einem (langweiligen) Dorf wie Arguineguin, Puerto Rico, Playa de Amadores oder Playa del Cura ein, wenn die Post 30km östlich abgeht. Wer also hier unterkommt, verbringt die Tage an Strand und Pool unter Heteros. Für mich als leider chronisch Alleinreisender (Versuche das zu ändern waren eher wenig erfolgreich) wenig problematisch. Aber irgendwann nervt es, im Yumbo ständig "Cerveca sin alcohol por favor" oder "agua sin gas" zu bestellen, weil der Mietwagen an der Straße neben den Paso Chico Bungalows steht und das Taxi über 30 Euro kostet.

      Alternative: Bude in Playa del Ingles buchen. Diesmal hab ich es sogar getan, obwohl mich die meisten größeren Anlagen eher abstossen. Aus oben genannten Gründen (man hat halt leider zu große Ansprüche entwickelt). Es gibt einige sehr brauchbare Adressen. Santa Monica Suites zum Beispiel, eines von 3 Resorts mit direkten Zugang zu den Dünen. Derzeit sind 50% der Leute hier andere Schwule, ich bin also nicht der einzige. Oder die Lopesan-Hotels, Sponsoren des CSD. Oder die 3 RIU-Clubs vor Ort (das RIU Palace kennt jeder, der durch die Dünen zieht). Ich habe sie alle in den letzten 9 Jahren ausprobiert und kann versichern, den Standard den die Anlagen in Playa del Ingles bieten, kriegen die Gloria Hotels rund um Puerto Rico mehr als getoppt. Leider..... Auch wenn das frisch gezapfte Bier im Yumbo doppelt so lecker ist, wenn man mit gutem Gewissen einfach ins Hotel laufen kann ohne an einen Mietwagen denken zu müssen, nächstes Jahr gehts zumindest für mich wieder weg von Maspalomas . CSD schön und gut, aber die restlichen 18 Stunden am Tag sollen ja auch so schön sein wie möglich.

      Gerry29 schrieb:

      Seit Tagen muss ich über eine sehr wichtige Frage grübeln, zumindest für jeden, der dieses schwule Paradies Gran Canaria besuchen möchte:

      Damit bringst Du auch mich dankenswerterweise ins Grübeln.
      Erstens, soll ich oder soll ich nicht nochmal ein letztmals nach GC?
      Zweitens, eben auch wohin Ort und Unterkunft?
      Drittens, brauch ich die Szene so wie du sie vorstehend (GSC und Jumbo) erlebt hast noch?

      Nun ich hab mir nochmals meine Erfahrungen hier ... Gran Canaria Dez. 2014: Bilder-Impressionen eines Oldie-Single
      ... zu Gemüte geführt.

      Und, ich denke, dass dies nochmals das richtige wäre. Die Ruhe in und um meine Unterkunft Playa del Aquila auf dem Hügel, im Acapulco. Die Spaziergänge zu oder über San Agustin nach Jumbo Playa Ingles. Die täglichen abendlichen Taxifahrten von 10-20€ dahin hin und nachts zurück machen den günstigen Hotelpreis wieder wett. Und das Klima da im Dezember war halt schon viel besser als auch schon im Juli.
      Mal schauen, angeregt hast du mich so wie so ... Gruss der thai.fun Max
      Populismus ist die Pubertäts Zeit der Demokratie. :S
      CSD-Samstag...........

      Tja, nach 9 Stunden Party zurück im Hotel. Und der Autor dieser Zeilen hat leider eine fette Menge Restalkohol im Blut. Für diverse Rechtschreibfehler daher an dieser Stelle meine aufrichtigste Entschuldigung. Aber was hat man für eine Wahl. Die CSD-Parade ist nichtmal besonders lang, sie startet ganz am südlichsten Punkt der Avenida Tirajana am Kreisverkehr des RIU Palace Hotels. Und geht die knapp 1,5km nördlich bis zum Yumbo. Entlang der Strecke haben zig angrenzende Geschäfte und Resorts geschäftstüchtig erkannt, dass die Schwulen in der schattenlosen Nachmittagssonne Gran Canarias leider ausreichend trinken müssen. Entsprechend fließt das Bier. Die Pride Parade ist im Vergleich zu kontinentalen CSDs eher überschaubar. Köln hatte mal über 50 Wagen und Laufgruppen. Maspalomas schafft mit viel Phantasie vielleicht 15. ABER.... ich kenne KEINEN familiäreren, entspannteren und vor allem lebensfroheren CSD als den hier auf Gran Canaria. Der aggressive oberflächliche abweisende Kommerz in Köln, das billige Machwerk in Düsseldorf oder die proletenhaften teils asozialen Straßenfeste zuhause im Ruhrgebiet, sie alle locken schon lange die meisten Schwulen nicht mehr aus dem Haus. Ein Grund, warum ich lieber die 4 Stunden Flug auf mich nehme um in Maspalomas der Welt zu zeigen wie es richtig geht.

      Im Hotel, den Santa Monica Suites an den Dünen, ist ab 15 Uhr ein witziges Schauspiel zu beobachten: Nach und nach verschwinden alle schwulen Pärchen vom Pool bis nur noch die Rentner und die Familien übrig sind. Aus den Zimmern dringt das Geräusch von Duschen und Partymusik, die Insassen machen sich fertig für den Höhepunkt des Maspalomas Gay Pride. Ab 16 Uhr strömt alles aus dem Haus, den Paseo Costa Canaria hinunter an den Dünen entlang zum Kreisel am südlichsten Punkt der Avenida Tirajana. Die reich geschmückten Wagen stehen schon bereit. Und zigtausende fangen an zu feiern und zu jubeln. Ein wunderschöner Anblick, ich kenne keinen Ort auf der Welt, wo zeitgleich so viele bildhübsche Männer und Jungs anfangen zu feiern. Wirklich nicht. Nichtmal in Thailand.





      Der erste Wagen ist natürlich von den Veranstaltern. Praktischerweise haben sie die politischen Gruppen vorneweg geschickt. Die Sozialistische Partei Spaniens ist dabei, ebenso die liberale Ciudadanos. Und eine lautstarke Gruppe transsexueller Familien, die ihre Kinder lautstark in Megaphone schreien lassen. Zum Glück ist dies schnell vorübergezogen.



      Karneval von Rio auf spanisch. Schrill kostümierte Laufgruppen gehören mittlerweile dazu.



      Die Strecke füllt sich mit Passanten...



      Das Yumbo gegen 22 Uhr. Wieviele 10.000 dürften es sein?



      Nach dem letzten Showact, eine Minute lang Feuerwerk hinter der Mainstage. Fotografiert hier aus der Bar Mardi Gras an der Westseite des Yumbo. Eine meiner Lieblingsbars.

      Nach 1 Uhr machen die Bars zu, viele Besucher gehen. Einige schöne Begegnungen und neue kurze Bekanntschaften später muss auch ich ins Bett. Frühstück morgen fällt definitiv aus. Der letzte Tag bricht bald an.
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      CSD Sonntag, der letzte Tag...

      Was gibt es zu berichten an einem Tag, an dem gefühlt ganz Maspalomas mit einem riesigen Kater irgendwann mittags erwacht und sich mit einer Doppeldosis Aspirin zum Hotelpool schleppt. Ok, bei mir war es weniger wild, zumindest war ich trotzt allem ganz fit. Obwohl ich bis jetzt nicht genau weiß wie ich ins Bett gekommen bin. Und warum ich in meinen Klamotten gepennt habe. Ok, gehen wir nicht weiter drauf ein, gaaanz böses Thema. Nur soviel, wenn man in Laufweite zum Yumbo wohnt und 60 Euro übrig hat und beschließt damit feiern zu gehen, aber nur wenig Gewöhnung mit Alkohol hat, kanns schonmal komisch enden.
      Mit dem makellos blauen Himmel ist es erstmal vorbei, Eiswolken ziehen an der Sonne entlang. Aber es wird immer wärmer, 28 Grad zeigt das Thermometer am Pool. Laut einem Wetterportal besteht Calima-Gefahr, also je nach Wetterlage schaffts ein heißer Sahara-Sandsturm bis hier her. Hoffentlich nicht... Einen Calima habe ich vor ein paar Jahren hier erlebt. Und nur soviel, man möchte einfach nur ins Wasser und nie mehr rauskommen. Und muss hinterher den Sand vom Mietauto fegen.
      Abends will beim Gaypride wenig Stimmung aufkommen. Viele Bars haben noch jede Menge freie Stühle, an der Showbühne stehen die Leute weitgehend innerhalb der Beleuchtungsanlagen. Es folgt Transenshow auf Boy-Dance-Act auf Transenshow auf Transenshow. Welch ein billiges Programm Freedom da wieder aufgestellt hat, denke ich mir. Letzter Act ist Conchita Wurst. Nicht wirklich mein Musikgeschmack. Aber zumindest wird es etwas voller. Die Moderatoren betreten die Bühne und danken den Besuchern, kündigen zeitlich den nächsten Maspalomas Gay Pride für den 7.-17. Mai 2020 an. Natürlich nicht ohne die anderen Freedom-Events im September/Oktober zu bewerben. Über den Winter Pride Anfang November, das nächste größere Gay-Spektakel hier, verlieren sie kein Wort. Mich kotzt dieses Konkurrenzdenken der Schwulenverbände gegeneinander immer an. Was wäre möglich, würden die Typen einfach zusammen arbeiten statt gegeneinander. Aber das war selbst bei uns im Ruhrgebiet nie anders, in Essen hab es für ein paar Jahre auch 2 CSDs nebeneinander. Aber das ist ein anderes Thema. Nach der Verabschiedung verschwinden die Moderatoren, ein DJ legt nochmal für eine letzte Party im Yumbo auf, kein Feuerwerk, kein letztes Highlight wie früher, es läuft einfach alles aus. Ich habe in diesem Forum Freedom für ihre uninspirierte und teils auf Discounter-Niveau stattfindenden Gay Prides kritisiert, die mit den Möglichkeiten die dieser Ort bietet, einfach nicht das herausholen was drin wäre. Was dazu führt, dass zunehmend Leute fernbleiben. Von meinen Bekannten, wir waren früher zu viert, bin ich der einzige, der noch in dieser Zeit nach Gran Canaria fliegt, alle anderen finden den Maspalomas Gay Pride mittlerweile zu schlecht. Ich persönlich bin der Meinung, einen gewaltigen Anteil hat das Publikum, und das ist noch immer richtig gut. Ich kenne keinen anderen CSD, der so viele freudige und vor allem bildschöne Kerle vorweisen kann. Da kann das Showprogramm noch so schlecht sein, da können einen die immer gleichen Events noch so langweilen, solange die Stimmung und die Besucher top sind, bin auch ich wieder dabei. Wir sehen uns ab dem 12. Mai 2020 wieder hier. Danke Gran Canaria, du bist noch immer das beste Reiseziel, das uns Schwulen passieren konnte.