Gran Canaria im November 2020

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      Gran Canaria im November 2020

      Gran Canaria gehört zu den wenigen schwulen Reisezielen, die derzeit noch relativ unkompliziert zu erreichen sind. Während ich bis jetzt warten musste, um das Geld für meinen Thailandurlaub, der morgen hätte starten sollen, zurück zu bekommen, war Gran Canaria geradezu erschreckend unkompliziert zu buchen und zu bereisen. Die Buchungsportale sind offen und haben tatsächlich fast alle pauschalen Unterkünfte wieder im Programm. Und das zu einem deutlichen Preisverfall, so bekomme ich mein Stammhotel derzeit 20% bis 30% billiger als letztes Jahr. Und da die Inseln seit Mitte Oktober kein Risikogebiet mehr sind, nahm ich meinen alten Plan wieder auf und flog zum Winterpride-Termin auf die Insel. Der Winterpride war zwar schon im September abgesagt worden, aber mehrere Bekannte schwärmten von dem warmen Klima in dieser Zeit.

      Leicht machen es einem die Reiseveranstalter trotzdem nicht leicht und starke Nerven sind leider nötig. Flugdaten-Änderungen, widersprüchliche Informationen, keine Antwort bei Sonderbuchungen und Nachfragen... Wenn man es trotzdem geschafft hat, und im Flieger sitzt, stundenlang die Gesichtsmaske auf und die im Militärton harsch gebellten Befehle des Personals erträgt, wenn man das Ding kurz zum Wassertrinken abnimmt, bleibt meist nur die Vorfreude ürbig, endlich im Paradies zu landen. Und zum Glück sind die Spanier auf dem Las Palmas Airport mehr als entspannt. Weil es nichts zu tun gibt. Zu wenige Flieger landen. Der Gang durch die Gesundheitskontrolle, an der Registrierung per QR-Barcode, Körpertemperaturmessung (und neuerdings das obligatorische negative SARS-CoV2-Testergebnis) vorgenommen werden, geht ruckzuck, das Gepäck ist erstaunlich schnell da und an den Mietwagenfirmen keine Schlangen. Bei Sixt ist nichtmal der Schalter besetzt, wer sich also wie ein Stück Scheisse behandeln lassen will (ich kenne Schwule, die stehen auf sowas aus Fetischgründen), muss dafür zu deren Abgabeschalter in die Tiefgarage. Tipp: Cicar ist noch immer unschlagbar, nächstes mal gehe ich wieder zu denen.

      Playa de Amadores ist ein Juwel um diese Zeit. Wenige Gäste und die künstliche Bucht ist so klar und blau wie ein Korallenriff. Habe ich so noch nie gesehen und es macht einen schon nachdenklich ob der Sinnhaftigkeit von Massentourismus. Das Gloria Hotel ist noch immer ein Traum, sie schaffen es ungefähr 80% ihres Angebots zu halten. Darunter der tolle Wellnessbereich mit Sauna und Gegenstrom-Pool, die umfangreichen Massagen und Anwendungen ebenfalls. Zum Verständnis, Gerry wird langsam alt und reist nun bevorzugt zu Hotels und Orten mit einem hochwertigen Spa-Angebot und lukullischen Genüssen, weswegen er auf Gran Canaria die Partyabsteigen von Maspalomas meidet und in Thailand die Centara-Hotels bevorzugt. Die Balibetten auf der hübschen Sonnenterrasse, die sonst alle um 5 Uhr morgens von den unsäglichen deutschen Hetero-Rentnern "reserviert" werden, sind tatsächlich alle frei. Und diese herrliche Ruhe mit den wenigen Gästen (das Hotel ist trotz kanarischer Peak-Saison nur zu knapp 30% ausgebucht), man könnte sich fast dabei erwischen, der Corona-Pandemie noch ein langes Leben zu wünschen. Was ich grundsätzlich nicht tue, denn leider habe ich unter den Angestellten zu viele bekannte Gesichter nicht mehr gesehen. Statt dem für die Kanaren guten Gehalt den es hier immer gegeben hat, stehen zu viele gute Leute vor den Sozialämtern der Gemeinden, und das bricht einem das Herz. Es gibt leider nur eine nachhaltige Lösung, das zu ändern: HINFLIEGEN UND URLAUB MACHEN!!!

      Puerto Rico ist Gran Canarias Shoppingparadies geworden und läuft Maspalomas definitiv diesbezüglich den Rang ab. Was allerdings geblieben ist in Maspalomas , ist die Schwulenszene. Also ab in den Mietwagen und schauen wie das Yumbo klarkommt. Und dessen Probleme sind unübersehbar. Viele Geschäfte sind zu, selbst der HiperDino-Supermarkt oben am Parkdeck, der bei den Gay Prides den Umsatz des Jahres mit Schnaps macht. Auf der Basisebende sind die meisten schwulen Läden noch geöffnet, vor allem im deutschen Eck hat es keine Verluste gegeben (Wunderbar, Bärenhöhle, Na Und und Spartacus sind offen und recht voll), erwischt hat es einige Transenläden auf der Südseite und sämtliche Cruising-Lokale. Construction, Bunker und andere sind dunkle leere Ecken. Rickys Cabaret hat die Gunst der Stunde gnutzt und ist in eine der leeren Räume umgezogen. Dass sich die britischen Besucher an so gut wie keine Beschränkungsmaßnahme (Abstände, maximale Gruppengröße, Raucherregelungen etc) dort gehalten haben, hat mich erst verwundert und dann geärgert. Wenn Ricky nicht aufpasst, wird die spanische Polizei irgendwann eine Rechnung schicken, die höher ausfallen dürfte als ihre nächsten 20 Transenglitteroutfits. Die Ebenen darüber hat es ganz schlimm erwischt. Praktisch kaum eine Bar der bei den Jungschwulen so beliebten Südseite der ersten Ebene hat überlebt. Dafür aber die meisten Restaurants dort. Durch die Abstandsgebote können die Bars allerdings weniger Platz anbieten und sind bereits mit wenigen Gästen voll. Außerdem bevorzugen die Wirte eher Gruppen mit 2 oder mehr Personen, weil Einzelpersonen einen Tisch blockieren und weniger Umsatz bringen. Eine Tatsache, die es mir sehr schwer machte ein Lokal zu besuchen und sich daher meine Besuche im Yumbo schnell erledigten und ich diesen Ort eher mied.
      Interessant ist, was mit jenen Besuchern läuft, die zur Triebbefriedigung auf die Insel fliegen. Die Dünen sind Nationalpark und die Cruising-Ecken dort nicht mehr zugänglich. Die Fetischlokale alle zu. Die Cruisinggebiete oberhalb des Yumbo durch Polizeipräsenz nicht geeignet. Entweder man fliegt nur noch mit Ehemann, oder schafft es, auf Gayromeo eine kleine "Privatsession" im Zimmer eines toleranten Hotels zu organisieren. Ob es sich für letzteres lohnt überhaupt zu verreisen, ist dabei eine andere Frage.

      Eines der tollsten Highlights ist weiterhin die Tour, die Afrikat ab Puerto Rico Base anbietet. Außer der üblichen Maskenpflicht (immer auf, wenn man seinen Liegeplatz verlässt) ist kaum etwas von den Problemen der Pandemie zu bemerken. Ich kanns wirklich immer nur weiterempfehlen, wer einen richtig tollen Tag auf See und am Playa de Perchel erleben will, sollte hier buchen.

      Fazit nach 10 Tagen Urlaub: Gran Canaria ist, bei allen Problemen, Einschränkungen und nervenaufreibenden Hindernissen, noch immer eines der schönsten schwulen Reiseziele, die man derzeit buchen kann. Durch sein striktes Einreise- und Hygienekonzept erlaube ich als medizinische Fachkraft mir die Prognose, dass diese Insel in den nächsten 12 Monaten nicht mehr Risikogebiet werden wird. Da müsste es schon wirklich mit dem Satan persönlich zugehen. Wer Reisepläne in diesen Zeiten hat, sollte sich die Buchung jetzt ernsthaft in Betracht ziehen, da die Preise unschlagbar niedrig sind. Sowohl ProGay als auch Freedom jedenfalls rechnen scheinbar mit vielen schwulen Urlaubern in der nahen Zukunft, da beide bereits die offiziellen Genehmigungen für Gay Pride und Winterpride eingeholt und die Daten veröffentlicht haben. Gay Pride 6.-16.5.21 und Winterpride 8.-14.11.21. Ob diese Veranstaltungen nächstes Jahr tatsächlich stattfinden, kann allerdings nur die Zukunft zeigen. Ich würde es mir wünschen, zu lange schon dauern die Einschränkungen an.